Wieder musterte Wulfrin den netten Jüngling und wieder klopfte er ihn auf die Schulter. "Sie hält dich zum besten?" sagte er.

"Sie redet Rätsel. Da ich neulich auf mein Herz anspielte"—

"Schlug sie die Augen nieder?"

"Nein, die schweiften. Dann zeigte sie mit dem Finger einen Punkt im
Himmel. Ich blinzte. Ein Geier, der ein Lamm davontrug.
Unverständlich."

"Klar wie der Morgen. 'Raube mich.' Das Mädchen gefällt mir."

"Du willst sie sehen?"

"Niemals."

Jetzt trat ein Palastschüler mit suchenden Blicken in den Hofraum und
dann rasch auf Wulfrin zu. "Du", sagte er, "die Messe ist aus, der
König verläßt die Kirche." Der "Kaiser" wollte ihm noch nicht über die
Zunge.

Wulfrin sprang auf. "Nimm mich mit!" bat Graciosus, "damit ich dem
Herrn der Erde nahe trete und ihn reden höre."

"Komm", willfahrte Wulfrin gutmütig, und bald standen sie neben dem Kaiser, vor welchem ein ehrwürdiger, aber etwas verwilderter Graubart das Knie bog. Gnadenreich erkannte Rudio, den Kastellan auf Malmort, und wunderte sich, welche Botschaft der Räter bringe, denn Karl hielt ein Schreiben in der Hand. Er reichte es dem Abte, und Alcuin las vor: