"Liebe Törin", lächelte Frau Stemma, "nimm all dein Denken zusammen und verliere keines meiner Worte. Ich hätte mit einem Steine geredet? als eine Abergläubische? oder eine Närrin? Kennst du mich so? Und du wärest nicht das Kind des Comes? Mit wem war ich denn sonst vermählt? Habe ich dir nicht erzählt, daß ich eine Gefangene war auf Malmort, bis mich der Comes freite? Und ich hätte den Gatten getötet? Ich, die Richterin und die Ärztin des Landes, hätte Gifte gemischt? Kannst du das glauben? Hältst du das für möglich?"
"Nein, Mutter, nein! Und doch, du hast es gesagt!"
"Palma, Palma, mißhandle mich nicht! Sonst müßte ich dich hassen!"
Palma brach in trostlose Tränen aus und warf sich gegen die Brust der Mutter, die das schluchzende Haupt an sich preßte. "Du bringst mich um mit deinem Weinen", sagte sie. "Glaube mir doch, Närrchen!"
Palma hob das Angesicht und blickte um sich. "Weidet hier am Rande ein Zicklein, Mutter?"
"Ja, Palma."
"Läutet dort Maria in valle?" Sie wies ein im Tale schimmerndes
Kloster.
"Ja, Palma."
"Ebenso wahr, als ich jetzt nicht träume und das Zicklein weidet und
das Kirchlein läutet, ebensowenig habe ich geträumt, daß du vor
Wulfrins Vater gestanden und ihn angeredet hast. Es war so, es ist so.
Du sprächest immer die Wahrheit, Mutter."
"Ich sage dir, Palma, es ist ein Traum. Und ich will, daß es ein
Traum sei."