Palma erwiderte sanft: "Belüge mich nicht, Mutter! Habe ich doch vorhin, da du mich an dich preßtest, den scharfen Kristall empfunden, welchen du aus dem Busen gezogen und dem Comes gezeigt hast."
Die Richterin schnellte empor mit einem feindseligen Blicke gegen ihr
Kind, glitt aber langsam auf die Bank zurück, und nachdem sie eine
Weile in den Boden gestarrt, sagte sie: "Wäre es so und hätte ich so
getan, so wäre es deinetwegen."
"Ich weiß", sagte Palma traurig.
"Habe ich es getan", wiederholte Stemma, "so tat ich es dir zuliebe.
Ich tötete, damit mein Kind rein blieb."
Palma zitterte.
"Warum hast du dich in mein Geheimnis gedrängt, Unselige?" flüsterte Stemma ingrimmig. "Ich hütete es. Ich verschonte dich. Du hast es mir geraubt! Nun ist es auch das deinige, und du mußt es mir tragen helfen! Lerne heucheln, Kind, es ist nicht so schwer, wie du glaubst! Aber wo sind deine Gedanken? Du bist abwesend! Wohin träumst du?"
"Was ist aus Wulfrin geworden?" fragte sie leise, und eine schwache
Röte glomm und verschwand auf den gehöhlten Wangen.
"Ich weiß nicht", sagte die Richterin.
"Jetzt verstehe ich, daß er mich verabscheut", jammerte Palma. "O ich Elende! Er stößt mich von sich, weil er Mord an mir wittert. Mir graut vor meinem Leibe! Läge ich zerschmettert!"
"Ängstige dich nicht! Wulfrin hat keinen Argwohn. Er ist gläubig und er traut."