"Lauter!" befahl die Richterin.

Jetzt sprach Palma hörbar den Vers der Messe: "Concepit in iniquitatibus me mater mea…"

Da glaubte das Volk und entsetzte sich und stürzte auf die Knie und murmelte: "Miserere mei!" Wulfrin streckte die Arme und rief gen Himmel: "Ich danke dir, daß ich nicht gefrevelt habe!" Karl aber trat zu Palma und hüllte sie in seinen Mantel.

"Nun richte du, Kaiser!" sprach Stemma.

"Richte dich selbst!" antwortete Karl.

"Nicht ich", sagte sie, wendete sich zu dem Volke und rief:
"Gottesurteil! Wollt ihr Gottesurteil?"

Es redete, es rief, es dröhnte: "Gottesurteil!"

Da sprach die Richterin feierlich: "Erstorbenes Gift, erstorbene Tat! Lebendige Tat, lebendiges Gift!" und hatte den Kristall aus dem Busen gehoben und geleert.

Eine Weile stand sie, dann tat sie einen Schritt und einen zweiten wankenden gegen Wulfrin. "Sei stark!" seufzte sie und brach zusammen. Rudio neigte sich über die Tote, hob sie auf seine Arme und trug sie zu Faustinen. Dort saß sie am Grabe, die Hörige aber neigte sich und legte das Antlitz in den Schoß der Herrin.

Jetzt enthüllte der Kaiser das Mädchen, das einen jammervollen Blick nach der Mutter warf, faltete die Hände und gebot. "Oremus pro magna peccatrice!" Alles Volk betete.