Dann sagte er mit milder Stimme: "Was wird aus diesem Kinde? Ich ziehe nicht, bis ich es weiß. Wie rätst du, Alcuin?"

"Sie tue die Gelübde!" rief der Abt.

"Ehe sie gelebt hat?" schrie Wulfrin angstvoll.

"Dann weiß ich ein anderes. Graciosus"—der Abt hielt ihn an der
Hand—"dieser hier, ein frommer Jüngling, hat ein Wohlgefallen an der
Ärmsten"—

"Herr Abt", unterbrach ihn der aufgeregte Gnadenreich, "das geht über
Menschenkraft. Mir graut vor dem Kinde der Mörderin. Alle guten
Geister loben Gott den Herrn!"

Wulfrin sprang in die Mitte. "Kaiser und ihr alle", rief er, "mein ist Palma novella!"

Da redete Karl: "Sohn Wulfs, du freiest das Kind seiner Mörderin?
Überwindest du die Dämonen?"

"Ich ersticke sie in meinen Armen! Hilf, Kaiser, daß ich sie überwältige!"

Karl hieß das Mädchen knien und legte ihr die Hände auf das Haupt. "Waise! Ich bin dir an Vaters Statt! Begrabe, die deine Mutter war! Dieser folge mir ins Feld! Gott entscheide! Kehrt er zurück und stößt er ins Horn, so freue dich, Palma novella, fülle den Becher und vollende den Spruch! Dann entzündet Rudio die Brautfackel und schleudert sie in das Gebälke von Malmort!"

Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Die Richterin, von Conrad
Ferdinand Meyer.