"Bläsi Zgraggen aus Uri", war die Antwort.
Der Feldherr verzichtete darauf, diesen unmundlichen Geschlechtsnamen zu wiederholen, der von dem zerrissenen Kamm eines Schweizergebirges zu stammen schien, und bediente sich des Vornamens, welchen er italianisierte. "Biagio", sagte er, "du hast mir zwei Leute verwundet; ich denke, ich lasse dich hier aufknüpfen."
Bläsi Zgraggen versetzte trotzig: "Lasset Ihr mich henken, so ist es weniger wegen dieses letzten Handels, sondern eher, weil ich—"
"Schweig!" gebot der Feldherr. Er konnte sich rächen, indem er dem Kriegsrechte freien Lauf ließ, aber eine solche Rache weder sich selbst noch seinem Opfer eingestehen. "Wie bist du hier zurückgeblieben?" fragte er.
Zgraggen, der ein geläufiges Lombardisch sprach, begann herzhaft: "Auf dem Felde von Pavia wurde ich verwundet und niedergeritten und lag, den geknickten Spieß neben mir. Nächtlicherweise schleppte ich mich dann den Bergen zu, hungernd und bettelnd. Herr, sehet Ihr rechts von den zwei Pappeln das lange, rote Dach? Dort haust die Narracivallia mit ihrem Manne. Dieser dingte mich zur Feldarbeit—bis sich der Krieg verzogen hätte, jetzt käme ich doch nicht über die Grenze. Hernachmals machte mir die Narracivallia Augen. Da erschienen mir im Schlaf der Vater und die beiden Großväter, die mir alle noch daheim leben, wenn auch die Ahnen in großer Schwachheit. Zuerst kam der Vater, hob den Finger und sagte: 'Nimm dich in acht, Bläsi!' Dann kam der väterliche Ahn, faltete die Hände und sagte: 'Denk an deine Seele, Bläsi!' Zuletzt kam der mütterliche Ahn, zeigte die Tür und sagte: 'Lauf, Bläsi!' Da schoß ich auf und suchte meine Kleider. Freilich meine seidenen Handschuhe und meinen gekettelten Kragen hatte mir die Narracivallia abgeschwatzt, um damit in der Kirche Staat zu machen. Ich war nur noch meines halben Verstandes mächtig und verlor auch diesen, da ich im Morgenlicht bei Heiligenwunden eintrete zum Englischen Gruß und—denket Euch meinen Schrecken—mich selber erblicke, wie ich leibe und lebe und Gott ersteche!"
"Ei", lächelte Pescara.
"Ein Schelmstück!" zürnte Zgraggen. "Wisset, Herr, ein paar Pinsler hatten sich zeither mit ihrem Zeuge da herumgetrieben und ließen sich einmal in der Meierei ein Glas Milch geben. Der eine faßte mich ins Auge. 'Da haben wir, den wir brauchen', sagt er und beschaut mein Schwarzgelb. 'Mann, holt Euern Spieß und Harnisch.' Ich tue ihm den Willen. Jetzt heißt mich der Pinsler die Beine spreiten, spreitet sie gleichfalls und reißt mich ab auf ein Stück Leinwand. Dann versprachen mir die Spitzbuben, mein Konterfei zu hohen Ehren zu bringen, ich aber stehe in Heiligenwunden und steche in den Salvator!"
Der Feldherr empfand ein gewisses Wohlwollen für den ehrlichen Gesellen. "Nimm", rief er in einer seltsamen Laune und streckte dem Urner seinen vollen Beutel entgegen. Dieser nahm ihn mit der Rechten und ließ die Goldstücke zählend in die Linke gleiten, ernsthaft und bedächtig. Dann schob er die Dukaten in die Tasche und wollte den Beutel dem Feldherrn zurückstellen.
"Behalte! Er hat goldene Schleifen!"
Der Urner schickte den Beutel den Dukaten nach. "Wo stellet Ihr mich ein, Herr?" fragte er. Er konnte sich nichts denken, als daß ihn Pescara geworben und ihm Handgeld gegeben habe.