Pescara erwiderte: "Ich habe dich nicht gedingt, und ich meine, nachdem dich die dreie so ernst vermahnt haben, kehrst du am besten in deine Heimat zurück und nährst dich redlich, wie es im Sprichwort heißt."
"Aber warum denn schenkt Ihr mir so viel Geld, wo ich Euch nichts zuliebe gethan habe?" fragte Zgraggen. Sondern viel Leides, setzte er in Gedanken hinzu. Diese Vergeltung Pescaras überstieg das Fassungsvermögen des Urners und beängstigte seine Rechtlichkeit.
"Aus Großmut", scherzte der Feldherr.
Bläsi kannte das Wort nicht. Da fiel ihm ein, es werde Großtun bedeuten, und da er im Lager oft gesehen hatte, wie Prahlerei das Geld mit vollen Händen wegwirft, beruhigte er sich dabei. "Ja so", sagte er. Pescara aber winkte, sein Roß vorzuführen.
"Und damit du durchkommst", sprach der Feldherr schon im Bügel, "nimm noch das." Er warf ihm eine Passiermarke zu, und wenig fehlte, Zgraggen hätte gedankt. Wenigstens wollte er noch langes Leben wünschen; aber den Feldherrn zum Abschied anschauend, erkannte er das Siechtum in diesem Antlitze mit seinen Älpleraugen, welche das alle Welt täuschende geistige Leben desselben nicht bestach. Unwillkürlich wünschte er: "Gott gebe Euch selige Urständ, Herr!" Dann über seine eigene Rede und ihre böse Bedeutung bestürzt, lief er querfeldein mit seinem halben Spieße, den er sorglich aufgehoben und nun als Reisestab führte. Die Spanier hatten verwundert zugesehen, der alte Wachtmeister aber schüttelte bedenklich und abergläubisch den Kopf über die seltsame Freigebigkeit seines sparsamen Feldherrn. Der Trupp, welcher den Urner gefangen hatte, gehörte zu dem Heerhaufen, der jetzt in einer Staubwolke hinter schlagenden Trommeln heranrückte. Der Feldherr ritt seinen Tapfern entgegen, von brausendem Jubel empfangen, und lenkte das Roß zwischen die Feldmusik und die erste Kompanie, deren Hauptmann ehrerbietig Raum gab.
Eine Weile blieb er allein an der Spitze der Truppen. Da nahte von Novara ein Reitender in weißem Mantel und gesellte sich zu ihm. Zusammen ritten sie durch das Schloßtor. Schweigend folgte der Begleiter dem Gange Pescaras und überschritt hinter ihm die Schwelle des Gemaches.
Pescara wendete sich. "Was wollt Ihr, Moncada?" fragte er, und dieser antwortete: "Eine Unterredung ohne Zeugen, die Ihr mir nicht zum zweiten Male verweigern werdet."
"Ich stehe zu Diensten."
"Erlaucht", begann der Ritter, "ich habe, wie Ihr erlaubtet, den Kanzler drüben gesprochen. Er war voller Angst und Blässe und beteuerte mit tausend Eiden, er sei gekommen, Aufschub und leichtere Bedingungen zu erlangen, nur dieses habe ihn nach Novara geführt. Dann schwatzte er wild durcheinander wie das böse Gewissen. Dieser Mensch ist ein Abgrund von Lüge, in welchem der Blick sich verliert. Ich bin sicher, daß er im Namen der Liga hier ist."
"Nicht anders", sagte der Feldherr.