"Hoheit", sagte der Feldherr, "ich habe Vollmacht. Wenn Sie davon durchdrungen ist, daß Sie sich in ein falsches und gefährliches Spiel eingelassen hat, und wenn sich der feste Wille in Ihr gestalten kann, forthin Ihr Heil da zu suchen, wo es ist, bei dem Kaiser, und von der Majestät nimmermehr zu weichen, wage ich es, auf meine Verantwortlichkeit, Ihr Verzeihung zu gewähren und Ihre Hand darauf anzunehmen. Hoheit darf es mir glauben, Sie fährt in jedem Falle besser mit dem Kaiser als mit der Liga."
Jetzt sah er, wie die unverhoffte Milde den Sohn des Mohren plötzlich wieder mißtrauisch machte, wie der vom Schicksal zum Argwohn Erzogene eine List vermutete und wie seine Hand zögerte und zitterte. "Hoheit darf trauen", sprach er kraftvoll. "Der Kaiser und ich halten Wort."
Sforza gab die Hand, und der Feldherr fügte freundlich hinzu: "Ich kenne die schwierige Lage der Hoheit und—wenn ich es aussprechen darf—Ihre durch eine unglückliche Jugend erkrankte und entkräftete Seele. Sie bedarf vor allem der Stetigkeit. In der Bahn des Kaisers wandelnd und verharrend, wird Sie von keiner Zeitwelle verschleudert werden. Ich persönlich", schloß er, seine Lehrhaftigkeit mildernd, in einem fast herzlichen Tone, "war der Hoheit immer zugethan, aus Dank für meine Vorbilder, Ihre zwei herrlichen Ahnen, obwohl mir die beiden", scherzte er, "in meiner Jugend manchen Schlaf geraubt haben; ein solcher Reiz und Stachel liegt in Männlichkeit und Seelengröße."
Franz Sforza getröstete sich dieser Freundschaft, fragte aber doch ängstlich: "Und ich bleibe Herzog? Euer Wort, Pescara?"
"Unverbrüchlich. Wenn ich etwas über den Kaiser vermag, und wenn Ihr es vermöget, Eure Seele zu befestigen."
"Und meinem Kanzler geschieht nichts?"
"Ich glaube nein, Hoheit", versprach Pescara.
"Und er bleibt mein Minister?"
Der Feldherr konnte ein Lächeln nicht verwinden über die Unzertrennlichkeit dieses Paares. "Hoheit vergißt, daß Sie soeben Girolamo Morone den verderblichsten aller Ratgeber genannt hat. Ich empfehle Hoheit, sich von der Kaiserlichen Majestät für dieses schwierige Amt einen andern und weisern Kopf zu erbitten. Es gibt deren in Italien, es braucht kein Spanier zu sein."
"Nichts da, Hoheit! Ihren Kanzler bekommt Sie nicht heraus!" mischte sich jetzt der Bourbon ins Gespräch. "Diese Helena ist mein Beutestück."