Franz Sforza starrte Bourbon mit angstvollen Augen an. "Der hier?" stöhnte er. "Er will mein Mailand! Er träumt langeher davon. Hilf mir, mächtiger Pescara!"

Da schmetterte Bourbon, als zerstöre er sich selbst, mit einem zornigen Wurf sein kristallenes Glas an den Marmorboden, daß es mit schrillem Mißton in Scherben zerfuhr. "Hoheit", rief er, "da liegt mein Fürstentum Mailand!"

Während die Scherben flogen, trat Moncada mit Leyva ein, dieser von oben bis unten mit Staub und Blut besudelt. "Erlaucht", begann der Ritter, "ich beglückwünsche Sie zu Ihrem heutigen schönen Siege, der, wieder in voller Kraft erfochten, sich an so viele andere reiht. Ich hielt mich geziemend im Vorzimmer. Doch da ich bechern und lachen hörte, und als auch Leyva anlangte, der das Nordtor genommen und ebenfalls seinen Trunk verdient hat, wagte ich den Eintritt, und ich glaube zur rechten Stunde. Denn ich meine: hier wird Gericht gehalten werden, und Hoheit Bourbon hat diesem verräterischen Herzog in symbolischer Weise seinen verdienten Untergang verkündigt. Aber nicht so stürmisch, Hoheit! Ich denke, der Feldherr setzt ein Kriegsgericht zusammen, bei dem ich als ein Angehöriger des königlichen Hauses Sitz und Stimme beanspruchen darf. Natürlich ein vorläufiges Gericht, in Erwartung des Entscheides aus Madrid." Pescara blieb kalt. "So tue ich", sagte er. "Ich ernenne zu Richtern meine zwei Kollegen, die Hoheit Bourbon und Leyva. Ich präsidiere. Euch, Ritter, muß ich ausschließen, weil Ihr keinen Rang bekleidet. Hier meine Beglaubigung." Er zog aus seinem Wams die kaiserliche Vollmacht.

Moncada ergriff das Schreiben und las: "Nach seinem Ermessen... gemäß den Umständen... hm... Erlaucht erlaube... diese kaiserliche Weisung scheint zu sagen, daß Sie bevollmächtigt ist, alle militärischen und bürgerlichen Maßregeln in dem genommenen Mailand nach Belieben zu treffen, präjudiziert aber in keiner Weise die Rechte und Interessen der katholischen Majestät. Ich werde daher bleiben als ein stummer, aber aufmerksamer Zuhörer."

"Sei es", sagte Pescara geduldig.

Jetzt regte sich auch Leyva und verlangte, daß Girolamo Morone vorgeführt werde. "Er ist im Palaste", sagte er. "Ich sah ihn gefesselt einbringen unter den Verwünschungen und Kotwürfen des mailändischen Volkes, das ihm sein ganzes Elend zurechnet." Pescara gab den Befehl.

Eine peinliche Pause. Stühle wurden gerückt von der verlegenen Dienerschaft, welche ihrem verklagten Herrn ehrerbietig den herzoglichen Sessel mit Krone und Wappen brachte, und als Morone erschien, nicht ohne Spuren von Mißhandlung, sah er die drei Feldherrn als Richter sitzen, Pescara in der Mitte, und vor ihnen seinen Herzog. "Mut, Fränzchen", flüsterte er ihm zu, neben den er sich aus alter Gewohnheit gestellt hatte, "wirf du nur alles auf mich!"

Pescara nahm das Wort: "Die Hoheit von Mailand beteuert, an der Treue gegen ihren Lehensherrn festzuhalten und nur vorübergehend fehlgetreten und in den Schein der Felonie gekommen zu sein unter den Einflüsterungen dieses Mannes da." Der Herzog nickte mit dem Haupt.

"So ist es! Ich bekenne, daß ich der allein Schuldige bin!" sprach der Kanzler unerschrocken.

"Auch die Verteidigung von Mailand gegen das kaiserliche Heer beteuert die Hoheit nicht befohlen zu haben, sondern sie versichert, es sei die eigenmächtige That einiger aufrührerischer Lombarden, und ich halte es für glaublich. Wie urteilt Leyva?"