Brukterer zwischen Ems und Lippe (ihre Seherin Veleda!); später zurückgedrängt, aber keineswegs vernichtet. Die 60000 sind übertrieben. Alle diese Stämme gehen in den Franken auf, deren Hauptvolk später die Chamaver werden, damals nördlich der Lippe bis zum Zuydersee. Angrivarier, an der Weser, später als Angern ein Hauptstamm der Altsachsen.
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Im Rücken – vorn: die Völker mit dem Gesicht zur See. Dulgubiner in der Gegend von Hannover (?), Chasuarier an der Haase, Friesen zwischen Zuydersee und Ems, die Kleinfriesen zwischen Rhein und Yssel. Seen besonders der Zuydersee, aber auch viele andere, da es an Deichen fehlt; so entstehen förmliche Inseln. Römische Flotten: Drusus Germanicus (12 v. Chr.) und sein Sohn Germanicus (14 und 15 n. Chr.). Auf eine andere, nicht recht zu bestimmende Unternehmung deutet [Kap. 1]. Säulen des Herkules wie bei Gibraltar (die Klippen von Helgoland?); hier ist der römische Herkules gemeint. Niemand versucht: nach Drusus Germanicus jedesfalls Tiberius (5 n. Chr.).
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Zum Anfang dieses Kapitels: man denkt sich die kimbrische Halbinsel (Schleswig-Jütland) von der Elbemündung an stark ostwärts geneigt. Chauken am Meer zwischen Ems und Elbe. Nach Müllenhoff sind es vielleicht überhaupt nur andere Friesen, „Chauken“ ein Ehrenname. Im Bogen hätten sie die Chatten an der Weser treffen müssen, eine wahrscheinlich unrichtige Angabe. Plinius schildert die Chauken als armseliges Fischervolk, immer von Sturmfluten bedroht. Das auffallende Lob des Tacitus vielleicht beabsichtigter Gegensatz zum folgenden Kapitel.
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Zur Seite östlich. Cherusker in der Umgebung des Harzes, früher noch weiter nordwestlich, zwischen Weser und Elbe. Am bekanntesten durch ihren Kampf gegen die Römer: Vernichtung des Varus im Teutoburger Walde. Arminius, der „Befreier Germaniens“, besiegt auch Marbod, den König der Markomannen. Bald werden aber die Cherusker zurückgedrängt, innere Zwistigkeiten, Kämpfe mit den Chatten wüten, vom Frieden des Tacitus ist keine Rede. [pg 51]Ebenso scheint die Demütigung der Cherusker übertrieben. Nur ihr (hieratischer?) Name verschwindet. Sind es die späteren Sachsen? Fosen in der Wesergegend.
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Kimbern: ein Rest also noch auf der kimbrischen Halbinsel. Auf ihrem großen Zuge stoßen die Kimbern 113 v. Chr. (641 [der varronianischen, 640 der catonianischen Ära] nach der Gründung der Stadt – Tacitus hält sich an die runde Zahl –) auf die Römer unter Papirius Carbo. 107 wird der Konsul L. Cassius mit seinem Heer vernichtet, 105 der Prokonsul Servilius Caepio und der Konsul Gnaeus Mallius. Das sind drei konsularische Heere; Aurelius Scaurus, gleichfalls geschlagen und getötet, hatte kein eigenes Heer, und Carbo erlitt nur eine geringe Niederlage. Das zweite Konsulat Trajans ist 98 n. Chr. Diese Stelle gilt als Beweis für die Abfassung der „Germania“ im gleichen Jahre. Arsaces begründet im 3. Jahrh. v. Chr. das große Partherreich, lange neben Rom die einzige östliche Großmacht; Crassus wird 53 v. Chr. von den Parthern getötet, Ventidius, ein Emporkömmling, rächt die Niederlage, indem er die Parther am Jahrestage dieser Schlacht 38 v. Chr. besiegt und ihren Prinzen Pacorus tötet. Selbst dem Caesar: Augustus. Nero ist Tiberius. Rüstungen des C. Caesar: Caligula; er läßt seine germanische Leibwache Feind spielen und triumphiert (40 n. Chr.); später feiert auch Domitian einen höchst sonderbaren Triumph. In den Bürgerkriegen nach Neros Tod beginnt der Aufstand der Nordwestgermanen.