[ 38]

Nunmehr eröffnet den zweiten Hauptteil: Tacitus rechnet alle folgenden, auch die nichtgermanischen Stämme zu den Sueben. Aber schon die Nerthusvölker gehören nicht mehr dazu; auch nicht die Ost- und Nordgermanen. Sueben wortgleich mit „Schwaben“. [pg 52]Stammeszeichen: der Knoten, ohne Band, an der rechten Schläfe über dem Ohr ist durch Bilder bezeugt, aber auch bei Nichtsueben; eher wären nach Baumstark im letzten Satz des [43. Kapitels] Kennzeichen angegeben. Baumstark unterscheidet die Männer, die diese Knoten ohne Band tragen, von denen, die ihn über dem Scheitel (mit einem Band) flechten, und diese wieder von den „Vornehmen“.

[ 39]

Müllenhoff hält den Namen Semnonen für hieratisch: ihr Wohnsitz, etwa im Spree- und Havelland, entspricht der von ihm behaupteten Urheimat der Germanen. Der besonders großartige Kultus ist denn auch der des Stammvaters Ziu, an dem die Sueben festhalten; ihre Stadt ist Ziesburg = Augsburg. Im 3. Jahrh. wandern die Semnonen als Alamannen (alle Mannen, ein Zusammenschluß!) an den rätischen Limes und erobern von da ab das jetzt noch alemannisch-schwäbische Gebiet. Der Vers auguriis – sacram im Deutschen durch „Zeichen – weihten“ wiedergegeben. Vgl. die allgemeine Einleitung!

[ 40]

Langobarden an der unteren Elbe; im 5. Jahrh. über Südmähren ins Alföld (ihr „Feld“) und weiter nach Pannonien und Italien (Lombardei). Die sieben Nerthusvölker: eine Kultgemeinschaft, in Schleswig-Holstein, vielleicht auch Mecklenburg; die Angeln gehen später nach England. Nicht genannt sind die Sachsen, damals in Holstein. Nerthus nicht etwa Hertha (eine falsche Bildung), sondern Freya; als Mutter Erde (magna mater Idaea) bezeichnet, weil auch diese auf einem Wagen gefahren wird und ein Priester Bild und Wagen reinigt. Insel sicher nicht Rügen, ebenso der See nicht der Herthasee, dessen Sage eine späte gelehrte Erfindung ist. Wenn man es glauben darf: also kein Götterbild ([Kap. 9]).

[pg 53]

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Wie noch zuvor: vom Zehntland bis zu den Chauken ([Kap. 35]), ja im wesentlichen sogar bis zu dieser Stelle folgt Tacitus der Südnordrichtung des Rheins; im folgenden der Westostrichtung der Donau. Hermunduren zwischen Harz und Erzgebirge, südwärts bis zum Main, vielleicht sogar zur Donau. Die gute Ausnahme bei den Römern deutet nicht gerade auf unmittelbare Nachbarschaft; Grenznachbarn des Reiches dürfen den Strom nur an bestimmten Stellen unter Aufsicht überschreiten. Kolonie ist Augusta Vindelicorum (Augsburg). Elbe: man dachte sich wohl die Moldau oder Eger oder thüringische Saale als Oberlauf der Elbe. So weit waren römische Heere gedrungen, aber seit der Niederlage des Varus kannte man die Elbe nur noch vom Hörensagen.

[ 42]