Frau Prostakowa (erschrickt; mit verbissener Wut). Was? Starodum, dein Onkel, lebt? Und du wagst es, ihn für auferstanden auszugeben? Diese Lüge ist wirklich einzig!
Sophie. Er war ja gar nicht gestorben!
Frau Prostakowa. Nicht gestorben! Hätte er denn nicht sterben können? ... Nein, meine Beste, das sind deine Erfindungen, um uns mit deinem Onkel ins Bockshorn zu jagen, damit wir dir Freiheit lassen! Du denkst: der Onkel ist ein kluger Mensch, er wird schon Wege finden, mich aus euren Händen zu befreien! Und darüber freust du dich ... aber bitte, freue dich nur nicht zu sehr: dein Onkel ist natürlich von den Toten nicht auferstanden.
Skotinin. Schwester! Wenn er aber gar nicht gestorben wäre?
Prostakow. Verhüt’ es Gott, daß er nicht gestorben wäre!
Frau Prostakowa (zum Mann). Wie: „nicht gestorben?“ ... Mache mich nicht wirr! Weißt du denn nicht, daß ich schon seit mehreren Jahren Totenmessen für den Frieden seiner Seele halten lasse? Es ist unmöglich, daß meine Gebete nicht bis zu Gott gedrungen seien! (Zu Sophie.) Gib mal den Brief her (ihn an sich reißend). Eine Wette geh’ ich ein, daß es ein Liebesbrief ist, und ich errate auch den Schreiber: es ist jener Offizier, der dir einen Antrag machte, und den du auch heiraten wolltest ... Und welche Bestie händigt dir ohne meine Erlaubnis Briefe ein? Wart, das werd’ ich schon herausbekommen! Das sind Zeiten: jungen Mädchen werden Briefe geschrieben! Junge Mädchen können lesen und schreiben!
Sophie. Bitte lesen Sie selbst den Brief, und Sie werden alsdann sehen, daß er das Unschuldigste von der Welt enthält.
Frau Prostakowa. „Lesen Sie selbst den Brief!“ Nein, meine Beste, ich bin, Gott sei Dank, nicht so erzogen. Ich empfange Briefe, lasse sie jedoch immer andre lesen. (Zum Mann.) Lies vor.
Prostakow (nachdem er lange hineingeblickt). Das dürfte schwer fallen.
Frau Prostakowa. Auch dich hat man, scheint’s, wie ein junges Mädchen aus der guten alten Zeit erzogen ... Bruder, bitte, lies du.