Skotinin. Ich? Ich habe nie in meinem Leben etwas gelesen, Schwester! Gott hat mich mit solchem langweiligen Zeug verschont.
Sophie. Erlauben Sie, daß ich lese.
Frau Prostakowa. O, meine Beste, ich weiß wohl, daß du eine Meisterin darin bist – nur trau’ ich dir nicht so recht ... Der Lehrer Mitrofans wird wohl bald kommen; er soll mir lesen.
Skotinin. Wird denn der Junge schon im Schreiben und Lesen unterrichtet?
Frau Prostakowa. Ach, lieber Bruder, schon gegen vier Jahre unterrichtet man ihn. Ja, Sünde wär’s, zu sagen, daß wir uns nicht alle Mühe geben, Mitrofan zu erziehen: drei Lehrer werden bezahlt! Im Lesen und Schreiben unterweist ihn Kutejkin, Vorsänger in der Kirche zu Mariä Schutz- und Fürbitte. Rechnen lehrt ein abgedankter Sergeant, Namens Zyfirkin. Beide kommen sie aus der Stadt hierher. Den Unterricht im Französischen und in den übrigen Wissenschaften erhält mein armer Mitrofan von einem Deutschen, Adam Adamytsch Wralmann. Diesem zahlen wir dreihundert Rubelchen jährlich; er sitzt mit uns an einem Tische, seine Wäsche wird von unsern Dienstboten gewaschen; ein Pferd steht immer zu seiner Verfügung; zu Mittag bekommt er ein Glas Wein, zur Nacht ein Talglicht, und selbst die Perücke wird ihm umsonst von Fomka in stand erhalten ... Doch, was wahr ist, bleibt wahr: auch wir sind mit ihm zufrieden, Bruder: er überbürdet den Knaben nicht. Und man muß doch Mitrofan ein wenig pflegen, solange er noch jung ist: wenn er denn noch zehn Jährchen etwa – was Gott verhüten möge – dienen muß, wird ihm kein Schmerz erspart bleiben! Übrigens – wie’s einem bei der Geburt bestimmt ist! Schon mancher aus der Familie der Prostakows ist im Schlaf zu Rang und Würden gestiegen – ist denn Mitrofan schlechter als sie? Ei – da kommt ja wie gerufen unser teurer Mieter!
Siebenter Auftritt.
Die Vorigen und Prawdin.
Frau Prostakowa. Lieber Bruder, hier stell’ ich dir unsern teuren Gast vor – Herr Prawdin; und das, mein Herr, ist mein Bruder.
Prawdin. Freue mich, Ihre Bekanntschaft zu machen.
Skotinin. Sehr wohl, mein Herr. Und wie lautet Ihr Familienname? Ich habe nicht recht gehört.