Milon (ungeduldig). Und du hast ihr nicht alsbald deine vollste Verachtung ausgesprochen?

Sophie. Nein ...

Milon. Hast ihr nicht gesagt, daß dein Herz bindende Pflichten hat, daß –

Sophie. Nein ...

Milon. O, nun seh’ ich mein Verderben! Ich habe einen beglückten Nebenbuhler! ... Nun, ich zweifle ja gar nicht an seinen Vorzügen: er ist gewiß klug, aufgeklärt, liebenswürdig; aber daß er sich mit mir in meiner Liebe messen könnte –

Sophie (lächelnd). Gott, wenn du ihn sähest – du würdest rasen vor Eifersucht!

Milon (grimmig). Ich kann mir alle seine Vorzüge vorstellen!

Sophie. Nein, du kannst sie dir gar nicht alle vorstellen! Er zählt zwar erst sechzehn Jahre, hat jedoch schon die höchste Sprosse der Vollkommenheit erklommen und kann gar nicht mehr höher steigen.

Prawdin. Wie kann er nicht höher steigen, Fräulein? Er hat ja bald die Fibel ausgelernt und wird wohl alsbald zum Psalmbuch übergehen.

Milon. Von solcher Beschaffenheit also ist mein Nebenbuhler?! ... Ach, Sophie, warum quälst du mich, und sei’s auch nur im Scherz! Du weißt, wie einem Liebenden selbst der geringste Verdacht Leiden macht! ... Nun sage mir, was du ihr geantwortet hast. (In diesem Augenblick geht Skotinin nachdenklich über die Bühne, ohne von jemand bemerkt zu werden.)