Starodum. Nicht die Eigenliebe, sondern die Selbstliebe. Man liebt sich ganz außerordentlich, sorgt nur für sich, denkt nur an die gegenwärtige Stunde. Denke dir nur: ich sah dort eine Menge Menschen, die in keinem Lebensfall ihrer Ahnen oder ihrer Nachkommen gedacht.

Prawdin. Doch jene Ehrenmänner, die bei Hofe sind und doch dem Vaterlande dienen?

Starodum. O, die verlassen den Hof nicht, weil sie ihm Nutzen bringen; und die andern verlassen ihn nicht, weil der Hof ihnen Nutzen bringt. Ich gehörte nicht zur Zahl der ersteren und wollte auch nicht zur Zahl der letzteren gehören.

Prawdin. Man hat Sie am Hofe natürlich verkannt.

Starodum. Zu meinem eigenen Besten. Es gelang mir, mich ganz ohne Ungelegenheiten zurückzuziehen; andernfalls hätte man mich auf die eine von zwei Arten entfernt.

Prawdin. Auf welche?

Starodum. Vom Hofe, mein Freund, entfernt man einen auf zwei Arten: entweder man wird dir böse, oder man macht dich böse. Ich habe weder den einen noch den andern Fall abgewartet, denn ich war zur Einsicht gekommen, daß es sich besser im eigenen Stübchen leben läßt als in einer fremden Antichambre.

Prawdin. Und Sie verließen den Hof mit leeren Händen? (Öffnet seine Tabaksdose.)

Starodum (nimmt eine Prise). Wieso mit leeren Händen? – Zu einem Kaufmann kamen zwei Käufer und handelten eine Tabatière, deren Preis fünfhundert Rubel war. Der eine zahlte das Geld und brachte die Tabatière nach Hause; der andre kam ohne Tabatière heim. Und du glaubst, daß dieser andre mit leeren Händen heimgekehrt sei? Du irrst: er brachte seine fünfhundert Rubel unversehrt nach Hause ... Ich verließ den Hof, ohne Dörfer, Bänder und Ehrentitel erhalten zu haben. Aber mein Eigentum brachte ich heim: meine Seele, meine Ehre und meine Grundsätze.

Prawdin. Männer mit Ihren Grundsätzen müßte man bei Hofe nicht entlassen, sie im Gegenteil an den Hof rufen.