Prawdin. Man kann sich keinen Schmeichler vorstellen, ohne tiefe Verachtung im Herzen zu empfinden.

Starodum. Der Schmeichler ist ein Geschöpf, das weder von andern noch von sich selbst eine gute Meinung hat. Sein ganzes Streben geht dahin, erst eines Menschen Verstand zu blenden und sodann alles aus ihm zu machen, was ihm beliebt. Er ist ein Nachtdieb, der erst das Licht auslöscht und erst dann zu stehlen beginnt.

Prawdin. Natürlich liegt die Quelle des menschlichen Unglücks in der Sittenlosigkeit der Menschen; doch die Mittel, die Herzen zu bessern –

Starodum. Liegen in den Händen des Souveräns. Sobald alle sehen, daß man ohne Tugend sich nicht aufschwingen kann; daß man durch keine niedrigen Dienstleistungen den Lohn des wahren Verdienstes zu kaufen vermag; daß nicht die Menschen von den Ämtern, sondern die Ämter von den Menschen Nutzen ziehen sollen – dann wird jeder seinen Vorteil in der Tugend finden, und die Herzen werden gebessert sein.

Prawdin. Sie haben ganz recht. Ein großer Souverän verleiht –

Starodum. Gnade und Freundschaft nach Neigung, Ämter und Würden nach Verdienst.

Prawdin. Damit es keinen Mangel an würdigen Menschen gebe, wird jetzt ein besonderes Augenmerk auf die Erziehung gerichtet.

Starodum. Sie muß in der That das Pfand des Staatswohls sein. Alles Unglück entsteht durch schlechte Erziehung. Freilich – welchen Nutzen kann der Staat von einem Menschen wie Mitrofan ziehen, dessen unwissende Eltern unwissenden Lehrern gar noch Geld zahlen? Wie viele Väter gibt es unter dem Adel, welche die Erziehung ihres Sohnes einem sklavenseelischen Leibeigenen anvertrauen! Nach etwa fünfzehn Jahren gibt’s dann zwei Sklaven: den alten Hofmeister und das junge Herrchen.

Prawdin. Doch Personen aus den höchsten Ständen sorgen für eine tüchtige Erziehung ihrer Kinder –

Starodum. Vollkommen richtig, mein Freund; doch wünschte ich, daß in allen Wissenschaften das Hauptziel jedes menschlichen Wissens nicht vergessen werde: die Tugend. Glaube mir, daß die wissenschaftlich gebildeten, aber demoralisierten Menschen diese Wissenschaften zum argen Werkzeug des Bösen gebrauchen werden. Die Aufklärung erhebt nur eine tugendhafte Seele. So wünschte ich, daß der Erzieher eines jungen Aristokraten denselben täglich auf zwei Fälle aus der Weltgeschichte aufmerksam mache: erstens – wie große Männer das Wohl ihres Vaterlandes fördern, und zweitens – wie ein unwürdiger Würdenträger sein Vertrauen und seine Macht zum Bösen mißbraucht und von der Höhe seines glänzenden Ranges in den Abgrund der Verachtung und des Spottes niederstürzt.