Als ich in meinem »Hause« ankam, fand ich die Trauben verdorben und die Beeren zerquetscht, während die Zitronen, deren ich überhaupt nur wenige gefunden hatte, vortrefflich erhalten waren.

Jenes Thal mit seinem reichen Pflanzenwuchs zog mich so sehr an, daß in mir der Gedanke aufstieg, meine Wohnung dorthin zu verlegen; allein die Erwägung, daß ich von meinem Hause am Strande die offene Aussicht über das Meer hatte und so ein vielleicht hier vorbeisegelndes Fahrzeug erspähen könnte, brachte mich von dem schnell gefaßten Plane ab, und ich beschränkte mich darauf, eine Art Lusthaus in jenem gesegneten und reizvollen Thale zu errichten. Ohne Zeit zu verlieren, ging ich ans Werk und umgab meine zweite Wohnstätte mit einer doppelten Pfahlreihe, die ich noch durch ein Flechtwerk von Schlingpflanzen und Baumstämmen verstärkte. Diese Arbeiten beschäftigten mich bis Anfang August.

Unterdessen fand ich meine aufgehängten Weintrauben nun genug getrocknet, und ich beeilte mich, sie einzusammeln, denn schon kündigte sich die in der heißen Zone übliche Regenzeit auf fühlbare Weise an. Zweihundert Päckchen von Rosinen schaffte ich in meine Vorratskammer, und so konnte ich mir nun die folgenden Monate hinreichend versüßen.

Am 14. August erlebte ich die Freude einer Vermehrung meiner Familie. Meine Katze nämlich, die ich vom Wrack mitgenommen hatte, war eine Zeitlang verschwunden, ohne daß ich mir erklären konnte, wohin sie geraten sei. Während ich nun an jenem Tage über die Landschaft schaute, sah ich meine alte Freundin samt drei jungen Sprößlingen wohlgemut auf meine Hütte zukommen und zögerte nicht, die neuen Gäste freundlichst aufzunehmen. Sie hatte die Jungen in einem Versteck so weit groß gezogen, daß sie vor den Angriffen des Katers sicher waren, und führte sie mir jetzt zu. Mit diesem Tage begann auch die Regenzeit, und ich machte mich wieder darauf gefaßt, wochenlang in meinem wohlgeschützten Strandhause zubringen zu müssen. Vom 14. bis 29. August währte ununterbrochen der Regen; meine Nahrung bestand aus Rosinen, Ziegenfleisch und gerösteter Schildkröte. Dabei war ich täglich beschäftigt mit der Erweiterung meines Kellers.

Gegen Ende September erinnerten mich die Einschnitte, die ich in meinen hölzernen Kalender gemacht hatte, daß seit meiner Landung auf der Insel ein Jahr verflossen war. Ich feierte diesen Tag mit dankerfülltem Herzen gegen Gott, dessen Güte mich so wunderbar beschirmt hatte.

Robinson vor seinem Kalender.

Sechstes Kapitel.
Robinson als Handwerker und Ackersmann.