Noch etwas andres stellte sich mir als unentbehrlich heraus, nämlich ein Regen- oder Sonnenschirm. Denn da ich meist im Freien weilen mußte, so quälte mich die Hitze der tropischen Sonne äußerst empfindlich. Lange Zeit währte es, bis ich etwas Taugliches zustande brachte. Die Hauptschwierigkeit bestand darin, den Schirm so zu verfertigen, daß ich ihn zusammenlegen konnte; im andern Falle hätte ich ihn stets aufgespannt tragen müssen, was sicherlich die Bequemlichkeit nicht sehr vermehrt haben würde. Ich bedeckte dieses tragbare Wetterdach mit Ziegenfellen, deren Haare ich nach auswärts kehrte; so schützte ich mich, so gut es gehen wollte, gegen den Regen wie gegen die Sonnenstrahlen. Bedurfte ich seiner nicht mehr, so klappte ich den Schirm zusammen.

Vor der Hand hatte ich nun so ziemlich alle Bedürfnisse befriedigt, die sich in meiner Einsamkeit überhaupt einstellen konnten; aber nie schweigen die Wünsche des Menschen still. Ich wollte mit dem gewonnenen Nützlichen auch das Angenehme verbinden, und was konnte mir da wohl näher liegen als der Besitz – einer Tabakspfeife? Hatte ich mich doch in der Töpferei hinlänglich erprobt, daß mir die Fabrikation eines Pfeifenkopfes nur leichtes Spiel schien; auf künstlerische Verzierung dieses Thonstückes mußte ich freilich immer noch Verzicht leisten. Ein ausgehöhltes Rohr herzurichten, machte wenig Kopfzerbrechen, und so konnte ich nun mit meinem edlen Kraute das Inselreich durchdampfen.

Ich kann nicht sagen, daß mir in fünf Jahren etwas Ungewöhnliches begegnet sei, denn ich lebte in derselben Lage, an dem nämlichen Orte, auf die gleiche Weise wie früher. Ich baute mein Korn, buk Brot, erntete Trauben ein und sorgte immer für einen ausreichenden Vorrat hinsichtlich aller nötigen Nahrungsmittel; oft ging ich auf die Jagd, schoß Vögel und Ziegen, fing auch, um eine sehr schmackhafte Suppe zu haben, dann und wann eine Schildkröte und angelte Fische. Daß ich auch die ehrsamen Gewerke eines Zimmermanns, Töpfers, Korbflechters, selbst des Schneiders in Ehren hielt, habe ich bereits erwähnt.

Während dieser fünf Jahre richtete ich mein Hauptaugenmerk darauf, mir eine andre Barke zu bauen, diesmal aber die Sache klüger anzufangen als vorher. Zwar fand ich auch jetzt nicht näher am Strande einen für mein Vorhaben tauglichen Baum; denn die Baumregion begann erst eine ziemliche Strecke vom Ufer. Da schlenderte ich eines Tages ungefähr eine halbe Stunde landeinwärts, längs dem Ufer jenes Baches hin, wo ich mit den Flößen gelandet war. Dort fand ich endlich, etwa zehn Schritt vom Wasser, was ich suchte. Ich fällte den Baum, handhabte dann unablässig Beil und Meißel und hatte schließlich die Freude, meine Piroge fertig zu sehen. Nun grub ich einen Kanal, schaffte unter manchem Schweißtropfen mein Kanoe von der Werft auf das Wasser und flößte es nach dem Meere hinab in die Bucht.

Robinsons Tabakspfeife.

Obgleich ich nicht weniger als zwei Jahre mit meinen Schiffszimmerarbeiten zugebracht hatte, so entsprach doch die Größe der Barke nicht dem Zwecke, welchen ich bei Erbauung der ersteren verfolgte, nämlich dem, mit derselben das gegenüberliegende Festland zu erreichen, welches nach meiner Schätzung wohl vierzig englische Meilen entfernt lag. Dennoch empfand ich eine nicht zu beschreibende Freude, als ich mein selbsterbautes Fahrzeug so sicher und leicht auf den Wellen dahingleiten sah, und wenn ich auch auf den Wunsch verzichten mußte, jenes ferne Küstenland zu erreichen, so schien mir mein Boot doch hinlänglich fest, um in demselben eine Rundreise um mein Eiland unternehmen zu können. Zu diesem Zwecke pflanzte ich einen kleinen Mast auf meinen Ruderkahn und brachte ein Segel zustande, das ich aus mehreren Stück Leinwand zusammenschneiderte. Ebenso sorgte ich an beiden Seiten für Kästchen und sonstige Behältnisse, um darin Lebensmittel, Pulver und Blei aufzubewahren und so gegen den Regen und den Gischt des Meeres gesichert zu sein. Im Innern des Bootes machte ich der ganzen Länge nach eine Höhlung, legte meine Flinte hinein und nagelte zum Schutze gegen die Nässe Leinwand darüber. Außerdem befestigte ich noch meinen Schirm am Hinterteile der Barke, zum Schutze gegen die brennenden Sonnenstrahlen, setzte ein Steuerruder sowie einen Anker in Bereitschaft und versuchte mich zunächst in kleinen Lustfahrten in der Nähe meiner Besitzung.

Nachdem ich die Tauglichkeit meines Bootes durch solche Ausflüge auf dem Wasser erprobt hatte, konnte ich doch der Begierde, den ganzen Umfang meines kleinen Königreichs kennen zu lernen, nicht länger widerstehen. Ich brachte in mein Kanoe eine hinlängliche Menge Proviant, nämlich zwei Dutzend Brote oder vielmehr Gerstenkuchen, einen Topf mit Reis, eine Ziegenhälfte und ein Fläschchen Rum; auch nahm ich Pulver und Blei mit, sowie zwei Überröcke, die mir in kühlen Nächten teils als Matratzen, teils als Decke dienen sollten.

So ausgerüstet begab ich mich am 6. November des sechsten Jahres meines Insellebens an Bord und stach in See. Indessen sollte diese Seefahrt eine andre Wendung nehmen, als ich gedacht hatte. Nachdem ich eine Strecke hinausgefahren und an die östliche Küste gelangt war, bemerkte ich eine Kette von Felsen, die meilenweit ins Meer hinausragten und von denen einige Klippen über, andre unter der Wasserfläche vorschoben. Am Ende des Riffs breitete sich noch eine Sandbank von einer halben Stunde in derselben Richtung aus, so daß ich einen großen Umweg zu machen hatte, wenn ich die Spitze umsegeln wollte.

Diese Entdeckung kam mir sehr ungelegen, und da mir die Fahrt denn doch etwas gefährlich schien, steuerte ich in meine Bucht zurück und legte meine Barke vor Anker. Hierauf griff ich zur Flinte, stieg ans Land und erklomm einen Hügel, von wo ich das ganze Felsenriff überschauen konnte.