Ich bemerkte eine heftige Strömung, die in der Richtung nach Osten ganz nahe an der äußersten Spitze der Sandbank hinlief. Dieser Umstand konnte für mich sehr gefährlich werden; denn wenn mich der Strom packte und mit sich fortriß, so mußte ich der Insel vielleicht auf immer lebewohl sagen. Von der Südseite ließ sich ein ähnlicher Strom in der Richtung nach Ost-Nordost wahrnehmen, jedoch in einer größeren Entfernung vom Ufer. Dann sah ich eine ziemlich genau angedeutete Sandbank, die gegen die Küste verlief. Diesen Beobachtungen zufolge mußte ich meinen Kurs so nahe an der ersten Sandbank halten, als es ohne Gefahr, zu stranden, irgend anging.
Ein steifer Wind aus Ost-Südost sauste gerade dem nordöstlichsten Strom entgegen und drängte das Wasser in heftiger Brandung an das Riff und die Spitze der Landzunge. Deshalb konnte ich mich nicht auf das Meer wagen. Wegen der Brandung war es doch zu gefährlich, mich nahe am Lande zu halten, und die Strömung legte mir anderseits die Notwendigkeit auf, mich nicht weit vom Lande zu entfernen. Aus diesem Grunde blieb ich ruhig in meiner Bucht zwei Tage vor Anker liegen.
Robinsons Nachtruhe.
Achtes Kapitel.
Robinsons unglückliche Bootfahrt.
Gefährliche Seereise. – In die See hinausgetrieben. – Sehnsuchtsvolle Betrachtungen. – Die beiden Strömungen und glückliche Landung. – Des Papageis Ruf. – Robinsons »Familie«. – Ziegenfang und Ziegenpark. – Schneiderkünste. – Neue Beobachtungen. – Rückblicke.
Am Morgen des dritten Tages legte sich der Wind, das Meer wurde ruhig, und nun erst begann ich meine Seefahrt. Mein Schicksal möge unerfahrenen und wagehalsigen Schiffern zur Warnung dienen! Kaum hatte ich die Spitze der Sandbank erreicht, von dem Ufer nur um die Länge meiner Barke entfernt, als ein Strom gleich einer Mühlschleuse mich mit überwältigender Heftigkeit packte. Alle Mühe, dagegen anzukämpfen, erwies sich als umsonst; immer weiter trieb mich die Strömung von der Sandbank, die mir zur Linken lag. Weder Segel noch Ruder konnte ich mit Erfolg gebrauchen. Wurde ich von der Strömung etwa in die See hinausgeworfen, so schien mein Untergang unvermeidlich, insbesondere wegen des Mangels an Lebensmitteln. Denn die am ersten Tage in die Barke geschafften Vorräte nebst einer noch am Meeresufer von mir gefangenen Schildkröte konnten nicht ausreichen, wenn ich weit hinaus auf den unermeßlichen Ozean getrieben wurde, vielleicht viele Meilen von der Küste entfernt.