Hierauf stieg ich an Bord. Das erste, worauf meine Blicke fielen, waren zwei in der Vorderkajütte ertrunkene Menschen, die einander im Tode noch fest umschlungen hielten. Sonst ließ sich nichts von Tier oder Mensch mehr auf dem Schiffe bemerken. Der größte Teil der Fracht schien durch das Seewasser stark gelitten zu haben. Im Mittelraume sah ich, als die Ebbe eintrat, einige Tonnen mit Wein oder Branntwein; allein sie waren zu groß, als daß ich sie hätte von den Stelle bewegen können; ebenso fand ich einige Koffer, die wahrscheinlich den Matrosen gehörten. Daher brachte ich sie in mein Boot, ohne ihren Inhalt erst zu durchsuchen.

Wäre das Vorderteil des Fahrzeugs nicht zertrümmert gewesen, so hätte sich gewiß reiche Beute machen lassen; aller Wahrscheinlichkeit nach kam das Schiff von Buenos Ayres oder vom Rio de la Plata, südlich von Brasilien, und befand sich auf dem Wege nach Havana.

In der Nähe der Koffer fand ich auch ein kleines Fäßchen mit Likör, ungefähr 20 Liter enthaltend; in der Kajütte lagen mehrere Gewehre und ein großes Pulverhorn. Da ich jedoch hinreichend Schießwaffen besaß, so ließ ich jene liegen und nahm nur das Horn mit, in welchem sich etwa vier Pfund Pulver befanden. Was mir aber am nützlichsten werden konnte, das waren eine Feuerschaufel, eine Zange, zwei kleine kupferne Kessel, eine kupferne Schokoladenkanne und ein Rost. Mit dieser Ladung und von dem Hunde begleitet, trat ich die Heimkehr an, und von der wachsenden Flut begünstigt, erreichte ich eine Stunde nach Sonnenuntergang das Ufer meiner Insel.

Ich fühlte mich von den Anstrengungen des Tages so ermattet, daß ich nicht mehr nach meiner Burg zurückkehren mochte, vielmehr legte ich mich, nachdem ich Speise und Trank zu mir genommen, in meiner Barke schlafen, vor einem plötzlichen Überfall sicher, da ich ja einen Wächter in dem Hunde zur Seite hatte.

Neu gestärkt erwachte ich am folgenden Morgen. Nach eingenommenem Imbiß, den ich mit meinem neuen Freunde gewissenhaft teilte, schaffte ich meine Fracht ans Ufer und durchsuchte jedes Stück. Der Branntwein in dem Fäßchen erwies sich als eine Art Rum, und in den Koffern entdeckte ich mancherlei, was mir sehr willkommen war, z. B. ein Flaschenfutter von sehr schöner Arbeit, in welchem sich mehrere, drei Liter haltige, mit silbernen Stöpseln versehene Flaschen feiner Branntweine befanden; sodann zwei Töpfe mit eingemachten Früchten, die so fest verschlossen waren, daß das Seewasser nicht einzudringen vermocht hatte; ferner etliche gute Hemden, anderthalb Dutzend weißleinene Taschentücher und mehrere farbige Halstücher. Auf dem Boden des Koffers fand ich zuguterletzt noch drei große Beutel mit Silbermünzen, im ganzen 1100 Stück; in dem einen waren 6 Dublonen in Gold und etliche kleine Goldbarren. Gern hätte ich das ganze Gold, das ich nicht viel höher als Kieselsteine schätzte, für drei oder vier Paar englische Schuhe und Strümpfe dahingegeben, die ich seit so vielen Jahren schmerzlich entbehren mußte. In dem andern Koffer befanden sich Kleidungsstücke sowie ein kleiner Pulvervorrat, dessen außerordentliche Feinheit darauf hinwies, daß er nur zur Vogeljagd bestimmt sein konnte. Der Koffer, welchen ich zuletzt öffnete, enthielt noch eine Geldsumme in Realen, aber was mir am meisten Freude bereitet, war der Fund von Papier, Federn, Schreibzeug, Federmessern und einer großen Flasche voll Tinte.

Alsbald brachte ich den ganzen Fund unter Dach und Fach nach meiner Grotte, das Boot aber wieder an seinen alten Ort; ich selbst kehrte darin nach der Burg zurück, wo ich alles in derselben Ordnung vorfand, wie ich es kürzlich verlassen.

Zwar entstand ein nicht geringer Aufruhr unter den Ziegen und Katzen, als sie meinen vierbeinigen Gefährten erblickten, der sie laut bellend anfuhr; doch ich schlichtete bald den Streit der Parteien, und sämtliche tierische Genossen lebten dann in ungestörtem »Burgfrieden« einträchtig bei einander.

Traurige Überraschung