Acht Tage waren seit der Abreise des Spaniers und des alten Wilden verflossen, aber vergeblich harrten wir von Tag zu Tag der Rückkehr meiner Gesandten entgegen. Da weckte mich eines Morgens Freitag mit dem lauten, freudenvollen Rufe: »Herr, sie sind wiedergekommen, sie sind da!«

Sogleich sprang ich auf, warf meine Kleider über, und ohne ein Gewehr mitzunehmen, eilte ich dem Strande zu. Aber wie groß war meine Bestürzung, als ich aus dem Buschwäldchen trat, das meine Burg umgab, und, nach der See hinauslugend, eine Schaluppe erblickte, welche mit einem lateinischen Segel versehen war und mit frischem Winde gegen die Küste zusteuerte! Das war nicht unser Boot, kam auch nicht von Norden her, sondern von Südost; ich rief Freitag, der mir schon vorausgeeilt war, schnell zurück und befahl ihm, sich dicht neben mir im Wäldchen im Versteck zu halten, denn ich wußte nicht, ob die Leute, die da kamen, Freunde oder Feinde seien. Dann zogen wir uns vorsichtig in unsre Burg zurück, und ich bestieg dort sogleich mit einem Fernrohr meine Warte, um die Ankömmlinge zu beobachten.

Kaum hatte ich den Hügel erklommen, als ich in einer Entfernung von dritthalb Stunden gegen Südsüdost ein Schiff vor Anker liegen sah und ganz deutlich erkannte, daß Schiff und Schaluppe englische waren.

Unmöglich kann ich die Gefühle schildern, die sich meiner bemächtigten. Einmal war es unaussprechliche Freude, in den Fremden Landsleute, Engländer, Freunde zu begrüßen, dann aber verdrängten Zweifel und Besorgnisse den Jubel in meiner Brust. Was konnte wohl ein englisches Fahrzeug in diesem Winkel der Erde, in diesen Gewässern suchen, in denen nie ein englischer Kauffahrer seine Wimpel blähte? Was führte die zweifelhaften Gäste hierher, da doch die Witterung anhaltend schön war und sie keine »Mütze voll Wind«, wie einst mich, an dieses Eiland getrieben haben konnte? Hier war höchste Vorsicht geboten, um nicht in die Gewalt von Räubern oder Freibeutern zu fallen. Nicht lange stand ich auf meinem Warteposten, als die Schaluppe sich dem Ufer näherte und dann auf den flachen Strand trieb. Die Mannschaft stieg aus, und ich erkannte in den Personen Engländer, acht mit Säbeln bewaffnet, drei aber ohne Waffen und gebunden. Letztere schienen in verzweifelter Lage zu sein, denn sie streckten die Hände flehend empor. Dieses Schauspiel setzte mich in große Verwirrung, und Freitag, der mir nachkam, raunte mir zu: »Sieh, Herr, diese englischen Männer essen Gefangene, ebenso wie meine Landsleute.«

»Wie, Freitag«, entgegnete ich, »glaubst du wirklich, daß sie so unmenschlich wären, ihre Gefangenen zu essen?«

»Ja, ja, Herr; o ich weiß, auch die Engländer essen ihre weißen Brüder.«

»Nicht doch, Freitag«, suchte ich ihn zu belehren; »wohl möglich, daß sie ihre Feinde dort töten werden, aber essen! – niemals! niemals!«

»Ist aber doch kein großer Unterschied, Herr!«

Ich überlegte, wie ich wohl am besten die Gefangenen zu befreien vermöchte, zumal ich in den Händen ihrer Peiniger Feuerwaffen nicht bemerkte. Die Engländer selbst gingen am Ufer auf und ab, ohne sich weiter um ihre Gefangenen zu kümmern. Obgleich nun diese hätten frei umherlaufen können, so waren sie doch zu sehr eingeschüchtert und setzten sich auf den Boden nieder. Ihre Lage erinnerte mich lebhaft an jenen Augenblick, wo ich selbst durch die Gewalt des Sturmes an diesen Strand geschleudert wurde, unter Aufbietung der letzten Kräfte die Felsen erkletterte und jeden Augenblick den Tod erwartete. Wie ich damals auf die Stunde der Befreiung kaum hoffen konnte, so saßen auch jetzt diese drei armen Unglücklichen an ödem Strande und ahnten nicht, wie nahe ihnen die Errettung bevorstünde.