4. Kapitel.
Die Verschwörer.

Langsam sank die Sonne im Westen und vergoldete mit roten Gluten den Spiegel des Schwarzen Meeres.

Aus den Dünsten ragten die Türme der Hafenstadt Odessa hervor, jener Stadt, die in der Zeit der russischen Unruhen eine große Rolle spielte.

Die Sonne beglänzte die Hafenanlagen und den mächtigen Wellenbrecher, überall sah man die Masten von Schiffen, welche im Hafen eingelaufen waren.

Am Kai bewegte sich eine Menge Menschen dahin, Arbeiter, Kaufleute, Soldaten, ein emsiges Hasten und Treiben, wie es in Hafenstädten immer zu finden ist.

Und dennoch lastete es wie Gewitterschwüle über dieser Menge, wohin man blickte, sah man ängstliche Gesichter, besonders die vielen Juden, die man hier erblickte, zeigten eine Angst, die sie vergeblich zu verbergen suchten.

Es lag etwas in der Luft, das Verderben schien über dieser Stadt zu schweben, welche in der Geschichte der russischen Unruhen eine so verhängnisvolle Rolle spielte.

Die unheimlichen Kerle, welche zuweilen in den Nebengassen auftauchten, warfen verdächtige Blicke nach allen Seiten. Sie verschwanden, wenn Polizisten oder Abteilungen von Soldaten auftauchten, kamen aber bald wieder zum Vorschein. Dann flüsterten sie zusammen, dann machten sie grimmige Gesichter und nicht selten drohten sie den geängstigten Juden mit ihren Knüppeln, worauf die Hebräer eiligst die Flucht ergriffen.

Aber auch am Hafen schien etwas nicht in Ordnung zu sein, denn da standen viele Leute, welche auf die mächtige Wasserfläche hinausblickten. Sie schauten alle in die Ferne, als ob sie dort etwas besonderes zu sehen erwarteten.

Dabei wurde viel geflüstert und geraunt, es schien irgend etwas nicht in Ordnung zu sein, was es aber war, konnte niemand sagen, ja vielleicht wußten es die Neugierigen selber nicht.