Es war eine hohe, stolze Erscheinung in der einfachen, dunkelblauen Uniform eines Kapitäns, auf dem dunkelbraunen Haar saß die Mütze mit dem goldenen Streifen. Er stand mit untergeschlagenen Armen auf der Gallerie, die er blitzschnell betreten haben mußte. Aber merkwürdigerweise hatte er sein Gesicht bedeckt, eine Halbmaske von schwarzem Sammet ließ nur den energischen Mund und das bärtige Kinn sehen.

Aus der Maske hervor aber blitzten zwei Augen, so unheimlich, so glühend, daß die beiden Herren in der Gondel betroffen zurückprallten.

Schweigend betrachtete der Mann in der blauen Uniform die Gondel des Ballons, von welcher er sich höchstens zwanzig Meter entfernt befand.

„Woher kommt Ihr?“ rief er plötzlich mit tönender Stimme.

„Von Paris,“ rief der ältere Luftschiffer förmlich mechanisch.

„So, von Paris,“ klang es schneidend herüber. „Nun gut, dann nehmt einen Auftrag von mir mit. Dort in der Hauptstadt ist man ja geschäftig genug, das Luftmeer zu besiegen, Fahrzeuge zu bauen, mit denen man den Luftozean beherrschen möchte. Aber, sagt diesen Männern, daß ich der Herr der Lüfte geworden bin und daß ich es auch bleiben werde. Sagt ihnen, daß sie es nicht wagen sollten, mit mir in Wettbewerb zu treten. Das möchte ihnen zum Verhängnis ausschlagen. Ich bin der Beherrscher der Lüfte, ich will es bleiben, von der Erde hat man mich verjagt, man hat mich gewissermaßen für vogelfrei erklärt, mich wie ein Stück Wild fast zu Tode gehetzt, aber hier oben dulde ich niemand neben mir, sagt es denen, die das vollbringen wollen, was mir längst gelungen ist. Und wehe ihnen, wenn sie es wagen, mir hier oben feindselig in den Weg zu treten! Wehe ihnen, sie sollen den Kapitän Mors kennen lernen.“

2. Kapitel.
Der Beherrscher der Lüfte.

Die letzten Worte klangen wie Donnerton, aber im selben Augenblick verschwand auch der rätselhafte Mann wieder in den Anbau, man hörte einen Laut, als ob eine Falltür ins Schloß schlug.

Gleich darauf veränderte das riesige Luftschiff wieder seine Richtung und im selben Moment griffen die beiden Luftschiffer nach ihren Köpfen, sie preßten unwillkürlich die Hände auf die Ohren, bestürzt über den furchtbaren Laut, der dort ertönte.

Neben der eisernen Spitze hervor klang es, das mußte wohl eine sogenannte Sirene sein, eins jener gewaltigen Nebelhörner, mit welchem die Schiffe bei Nebelwetter auf der See Signale geben. Aber dieser Ton war ganz verschieden, und zwar so furchtbar, so durchdringend, daß die beiden Männer meinten, das Trommelfell müßte ihnen platzen.