Ich lenke wieder ein. Welche Macht hat stein- und eichenharte rohe Menschen ins gesellschaftliche Leben vereint? Die Schmeicheley. Sie wird durch die Leyer des Amphion und des Orpheus angedeutet. Was hat das römische Volk, da es unter sich aufs äusserste zerfallen war, wieder einträchtig gemacht? Wars eine philosophische Rede? nichts weniger: es war die lächerliche und kindische Fabel von dem Bauche und den übrigen Gliedern. Ein gleiches Wunder that Themistokles durch die Fabel von dem Fuchsen und dem Igel. Welche Rede eines Weisen hätte so vieles vermocht, als jenes erdichtete Rehe des Sertorius? als die beiden Hunde jenes lacedämonischen Gesetzgebers? als die lächerliche Erdichtung von den ausgeraufenen Haaren des Pferdeschweifes? Um nichts von dem Minus zu reden, und von dem Numa, welche den närrischen Pöbel durch fabelhafte Erfindungen nach ihrem Willen lenkten: durch solche Possen läßt sich dieses grosse und mächtige Thier, etwas aufbinden.

Welche Stadt hat jemals die Gesetze und Aussprüche eines Plato, Aristoteles, Sokrates, angenommen? was hat die Decier beredet, sich von freyen Stücken den unterirdischen Göttern aufzuopfern? was hat den Quintus Curtius in die Grube gezogen? was anders, als die eitele Ruhmsucht, eine sanft-lockende Sirene, die von jenen Weisen so sehr verabscheuet wird? was kann närrischer seyn, sprechen sie, als daß der, welcher sich um ein Amt bewirbt, im weissen Röckchen demüthig dem Pöbel schmeichelt? daß man sich die Gunst desselben durch ein Korngeschenk erkauft? dem Händeklatschen so vieler Narren nachjagt? im Zujauchzen desselben seine Wonne findet? im Triumphe sich von ihm gleich einer Bildsäule angaffen läßt? in Erzt gegossen auf dem Markte steht? andre Namen und Beynamen annimmt? einem menschlichen Taugenichts göttliche Ehre erweißt? mit öffentlichem Gepränge tyrannische Schandbuben in die Classe der Götter erhebt? O gewiß, Narrheit ist dieses, zu deren verdienten Belachung ein einziger Demokritus nicht zureichend wäre! Wer leugnet es? Und doch ists die Quelle großer Heldenthaten, die von Rednern bis in den Himmel erhoben werden.

Narrheit zeugt Städte, Reiche, Obrigkeiten, Religionen, Raths- und Gerichtsversammlungen; und das menschliche Leben ist blos ein Narrenspiel. Wenn die Rede von Künsten und Wissenschaften ist: was hat die Menschen aufgemuntert, so herrliche Dinge (wie man sie dafür auszuposaunen pflegt) zu ersinnen, und auf die Nachwelt zu bringen? war es nicht die Ruhmsucht? In so vielen durchwachten Nächten, unter so vielem Schweisse, haben sie, die Erznarren, sich, ich weiß nicht, was für einen durch und durch unnützen Ruhm ausgehecket. Indessen haben Sie, meine Herren, der Narrheit bereits so viele herrliche Bequemlichkeiten des Lebens zu verdanken; und, was dabey noch weit das angenehmste ist, Sie machen sich der Narrheit Anderer zu Nutzen.

Nachdem ich also das Lob meiner Stärke und meines Fleisses befestigt habe, wird es schicklich seyn, daß ich auch meiner Klugheit das gleiche Recht widerfahren lasse. So willt du dann (ruft mir, wie mich deucht, jemand entgegen) Feuer und Wasser zusammen paaren? Auch dieses hoff ich zu Stande zu bringen, wenn man nur fortfahren wird, achtsam aufzuhorchen.