Wenn diese Geschöpfe gleich von der Republik ausgeschlossen sind, so hat man sie doch nicht zu verachten; sonderlich die Bettelmönche: denn die Beicht hat sie mit den Geheimnissen eines jeden bekannt gemacht. Freylich halten sie es nicht für erlaubt, aus der Schule zu schwatzen; aber, was geschieht nicht, wenn man ein Glas Wein zu viel im Kopfe hat, und zur Ergötzung etwas Lustiges auf die Bahn bringen will? dann aber tragen sie die Sache nur räthselhaft vor und verschweigen die eigentlichen Namen. Wenn jemand hier in das Hornissennest sticht, so wissen sie sich in der ersten besten Predigt redlich zu rächen; durch gewisse Umstände wissen sie ihren Feind auf eine so versteckte Weise zu schildern, daß nur die ihn nicht erkennen, die ganz und gar nichts begreifen können. Ihr Gebelle nimmt kein Ende, bis man zu dem Mittel des Eneas greift, der dem Cerberus etwas zum Fressen in den Rachen warf.

Nein, meine Herren, bey keinem Schauspieler, keinem Marktschreyer würden Sie stehen bleiben, wenn Sie einen solchen Prediger auftreten sehen. Freilich giebts da possierliche Rednersprünge; sie sind alle den Regeln der Muster in dieser Kunst auf das lieblichste nachgeahmt. O meine Herren! merken Sie dann wohl auf jede Geberde; wie schicklich ändern die Leute nicht ihre Stimme! ihre Rede ist Gesang; alles an ihnen regt und bewegt sich; niemand versteht besser die Kunst, Gesichter zu schneiden und mit dem durchdringendsten Geschreye die Gewölker erschallen zu machen. Und diese Rednerkunst pflanzt sich als ein Geheimniß durch die Ueberlieferung von einem Klosterbruder auf den andern fort. Mir freylich, einem Weibe ist die Einsicht in solche Dinge nicht verstattet; ich kann also davon nur so viel sagen, als ich durch Muthmaassung erhaschen könnte.

Sie vergessen nie, eine Anrufung vorher zu schicken; ein Kunstgriff, den sie den Dichtern abgeborgt haben. Hierauf, wenn sie zum Exempel von der Liebe reden wollen, bringen sie den egyptischen Nilfluß in den Eingang. Wenn sie von dem Geheimnisse des Kreuzes zu reden haben, so lassen sie den Drachen von Babel feyerlich auftreten. Eine Fastenpredigt läßt zuerst die zwölf himmlische Zeichen in ihrer Ordnung vor dem Gesichte der Zuhörer vorbey ziehen. Bey einer Glaubenspredigt muß ihnen die Quadratur des Zirkels den Eingang eröffnen. Ich habe einen Erznarren (ich irre mich; einen Erzgelehrten wollte ich sagen) gehört, der in einer weltberühmten Predigt an Erklärung des Geheimnisses der göttlichen Dreyeinigkeit arbeitete; um seine ungemeine Gelehrtheit auszukramen und theologischen Ohren ein Vergnügen zu verschaffen, schlug er einen nagelneuen Weg ein: er sprach von Buchstaben, Sylben, Redetheilen, der Uebereinstimmung des Nennworts mit dem Zeitworte, des Hauptworts mit dem Beyworte. Alles war erstaunt und bewunderungsvoll; und Einige murmelten zwischen den Zähnen: was wird zuletzt aus dem verzweifelten Zeuge werden? Endlich leitete er es so ein, daß er in den ersten Grundsätzen der Grammatik das Bild der Dreyeinigkeit den Zuhörern so natürlich vor Augen legte, daß man jeden Mathematiker Trotz bieten könnte, es lebhafter in den Staub zu kritzlen. In Verfertigung dieser Rede durchschwitzte der superlative Theolog ganze acht Monate, und so, daß keine Schärmaus stockblinder seyn kann, als er es heutiges Tages ist: die Geistesspitze zerkratzt ihm die Augenschärfe so ganz erbärmlich. Doch hält der Mann seine Blindheit für keinen Verlust und findet, daß er einen so grossen Ruhm um einen Spottpreis eingewuchert habe.

Ich hörte auch einen andern achtzigjährigen Graubart, der so ganz Theolog war, daß man darauf geschworen hätte, der leibhafte Scotus sey in ihm auferstanden. Um das Geheimniß des Namens Jesu zu erklären, bewieß er mit bewunderungswürdiger Scharfsinnigkeit, daß alles, was sich von ihm sagen lasse, bereits schon in den Buchstaben verborgen liege. Weil das Wort nur drey Endungen habe, so sey dieses eine augenscheinliche Darlegung der göttlichen Dreyeinigkeit. Ferner, in den drey Endungen dieses Namens (nämlich Jesus, Jesum, und Jesu) seyen die drey letzten Buchstaben: S, M, und U; hierin liege das unaussprechliche Geheimniß; er sey Summus, Medius, und Ultimus; der Anfang, die Mitte, und das Ende. Noch war ein viel verworreneres Geheimniß, als es irgend ein mathematisches Problem seyn könnte, zu entwicklen: Er zeigte, wie das aus fünf Buchstaben bestehende Wort Jesus durch den mittlern, ein S, in zween gleiche Theile getrennt werde; nun werde bey den Hebräern dieser Buchstabe Syu genannt; und Syu bedeute (wenn ich nicht unrecht habe) in der schottländischen Sprache so viel als Sünde; folglich sey es sonnenklar, Jesus sey der, welcher die Sünden der Welt wegnehme.

Ein so nagelneuer Eingang zeugte bey jedermann, insonderheit den Theologen, eine so staunende Bewunderung, daß man bald hätte denken sollen, sie seyen gleich der Niobe zu Steine geworden; mir aber war es beynahe wie dem Priapus gegangen, als er den nächtlichen Gebräuchen der Canidia und Sagana zusah; da war es ihm nicht mehr wie ehedem, als er noch ein feigenbäumener Klotz gewesen; nun konnt er erschrecken; die Wirkung des Schreckens aber schall und roch, zu seinem Glücke, den bösen Weibern so wirksam in Ohren und Nasen, daß sie über Hals und Kopf die Flucht ergriffen.

Ueber einen solchen Erfolg ist sich nicht zu verwundern; denn, bey Griechen und Römern, einem Demosthenes oder Cicero, würde man sich vergeblich nach einem solchen Einschmeichlungseingange umsehen. Eine sich von der Sache entfernende Vorrede hielten sie für einen Fehlschluß. Wirklich auch lehrt die Natur ganz andere Dinge; sogar ein Schweinshirt, der bey der Natur zu Schule gegangen ist, macht so wenig Umschweife, daß er lieber sogleich mit der Thür ins Haus fallen will. Diese Gelehrten hingegen halten ihr Präambulieren alsdann erst für feinrhetorisch, wenn es mit dem Gegenstande ihrer Rede nicht in der geringsten Verwandschaft steht, und die Zuhörer einander zuflüstern: wo wird der Kerl zuletzt noch hingerathen?