Die in Christo allerheiligsten Väter, und Statthalter Christi, schiessen solche Pfeile wider niemanden schärfer los, als wider die, welche sich durch den Teufel verleiten lassen, das Patrimonium des Petrus zu schmälern. Dieser Apostel sagt im Evangelium: „Wir haben alles verlassen, und sind dir nachgefolgt“ und doch nennt man Landgüter, Städte, Zölle, Schätze, Herrschaften, das Patrimonium desselben. Um solcher Dinge willen ergreift sie der Eifer Christi; mit Feuer und Schwerdt vertheidigen sie den Besitz derselben, wenn gleich noch so viel Christenblut darüber vergossen wird; dann erst glauben sie, daß sie die Kirche, die Braut Christi, apostolisch vertheidigt haben, wenn die sogenannten Feinde tapfer abgetrieben worden. Als ob es schädlichere Feinde der Kirche gebe, als gottlose Päbste, die durch ihr Stillschweigen Christum lassen zernichtet werden, ihn durch eigennützige Gesetze binden, durch erzwungene Auslegungen schänden, durch ein vergiftendes Leben tödten.

Durch Blut wird die christliche Kirche gezeugt, befestigt, ausgebreitet; jetzt; als ob kein Christus mehr wäre, der die Seinen auf seine Weise beschützen könnte, wird seine Sache durch das Schwerdt betrieben. Um den Krieg ist es etwas so unmenschliches, daß man ihn den wilden Thieren überlassen sollte; nach der Meynung der Dichter ist er ein Geschenk der Furien; er ist eine solche Pest, daß die Sitten dadurch ganz und gar verdorben werden; etwas so ungerechtes, daß er durch die schlimmsten Straßenräuber am besten betrieben wird; so ruchloses, daß er mit Christo nicht in der geringsten Gemeinschaft steht: doch setzt man alles übrige hindan, und betreibt nur diesen. Man sieht Grauköpfe, die sich hier jugendlich-munter erweisen, keinen Aufwand sich dauern lassen, durch kein Arbeiten ermüdet, durch nichts abgeschreckt werden, wenn es zu thun ist, die Religion, den Frieden, alle Menschlichkeit, in die äusserste Zerrüttung zu setzen. Es fehlt auch an gelehrten Fuchsschwänzern nicht, die diese handgreifliche Tobsucht, Eifer, Frömmigkeit, Tapferkeit nennen. Sie haben einen Weg ausgedacht, auf dem man dem Bruder den Dolchen durch das Herz jagen kann, ohne sich an dem Gebote Christi von der Nächstenliebe zu vergreifen.

Ich bin noch nicht mit mir einig, ob einige deutsche Bischöffe hier gelernt oder gelehrt haben, ganz geradezu Gottesdienst, Segen, und andere dergleichen Ceremonien, an einen Nagel hängend, völlige Satrapen zu spielen; so, daß sie es bald an einem Bischoffe für Feigheit und Unanständigkeit halten, irgendwo sonst, als in einer Schlacht, Gott die tapfere Seele zu übergeben. Gemeine Priester würden sichs zur Sünde rechnen, von der Heiligkeit ihrer Prälaten abzuarten. O man sehe, wie kriegerisch sie die Rechte der Zehnten mit Schwerd, und Spieß, und Steinen, und allen Arten von Kriegsgeräthe vertheidigen! Vortreflich scharf sind ihre Augen, wenn es zu thun ist, aus alten Schriften etwas heraus zu grüblen, dadurch sie dem armen Pöbel einen Schrecken einjagen, und darthun können, daß ihnen noch mehr als nur der Zehnden gebühre; inzwischen haben sie es ganz vergessen, wie vieles man hin und wieder von ihren Pflichten gegen die Lügen lese; und doch sollte wenigstens ihr beschorner Scheitel sie erinnern, ein Priester müsse von allen Lüsten dieser Welt frey seyn, und blos himmlischen Dingen nachsinnen. Die allerliebsten Männerchen sprachen, sie haben sich ihrer Amtspflicht redlich entladen, wenn sie ihre Gebeterchen so herausgemurmelt haben, das ich mich ich weiß nicht zu was verwundern sollte, wenn irgend ein Gott es hört, oder versteht; denn sie selbst hören und verstehen es kaum, wenn sie es aus dem Maule herausdrängen.

Doch stimmen Priester und Layen diesorts überein: wenn es um Einerndten zu thun ist, so ist alles ungemein wachsam, und die dahin gehörenden Gesetze sind jedermann bekannt; wenn sich aber etwas Lästiges zeigt, o da wirft Einer es weislich auf die Schultern des Andern; man sollte meynen, beym Ballspiele zu seyn. Wie Fürsten die Regierungssachen ihren Räthen, und diese wieder den Unterbeamten, übertragen: so überlassen die grossen Cleriker, aus Bescheidenheit, den Fleiß der Gottseligkeit ganz dem gemeinen Manne; dieser sendet ihn an die sogenannten Geistlichen, als ob er mit den geistlichen Geschäften nichts zu thun und durch das Taufgelübd zu nichts dergleichen verpflichtet wäre; die sogenannten Secularpriester wählen (als ob sie sich nicht Christo sondern der Welt gewidmet hätten) diese Last auf die Regularen; die Regularen auf die Mönche; die strengern müssen sie von den weniger strengen annehmen; alles fällt zuletzt auf die Bettelmönche; doch wissen auch diese es auf die Cartheuser zu schieben, bey welchen einzig die Frömmigkeit begraben liegt; denn wirklich liegt sie da so verborgen, daß schwerlich jemand sich wird rühmen können, etwas davon gesehen zu haben. Also weihen Päbste, die in der Gelderndte unermüdet sind, jene allzu apostolischen Arbeiten an die Bettelbrüder, diese wieder an solche, welche den Schafen alle Wolle abscheren.

Doch, hieher gehörts nicht, das Leben der Päbste und Priester durch die Musterung gehen zu lassen; man würde sonst denken, es sey mir um eine Satire, und nicht um eine Lobrede zu thun; und man würde auf den Argwohn gerathen, ich wolle gute Fürsten durch die Hechel ziehen, indem ich böse lobe. Ich habe aus keiner andern Ursache auf diese Dinge gedeutet, als daß man es desto deutlicher einsehen möge, kein Sterblicher könne ein wonnevolles Leben führen, so lang er nicht zu meinem Dienst eingeweiht ist, und in meiner Gunst steht. Denn, wie solle dieses möglich seyn, da selbst die rhamnusische Göttinn, die Beglückerinn aller menschlichen Dinge, mit mir so sehr unter dergleichen Decke liegt, daß sie sich jenen Weisen stets im höchsten Grade feindselig erwiesen, und hingegen den Narren auch im Schlaf alles Gute zugeschanzet hat. Ihnen, meine Herren, wird jener Timotheus bekannt seyn, der atheniensische Feldherr, den man das Glückkind zu nennen pflegte; von ihm kömmt das Sprüchwort her: „dem schlafenden Fischer hüpfen die Fische ins Garn“ und: „ihn begünstigt die Eule der Minerva“ von dem Weisen hingegen heißts „erst unter einem bösen Planeten gebohren; immer reutet er ein stolperndes Pferd; sein Gold ist Flitterwaare.“ Doch, genug gesprüchwörtelt; man möchte sonst glauben, ich habe den Adagienkasten meines Erasmus geplündert.

Ich lenke wieder ein. Die Göttinn des Glücks liebt die Schwindelköpfe, die Tollkühnen, die alles aufs Spiel setzen. Die Weisheit macht schüchtern; daher sieht man, wie die Weisen mit der Armuth kämpfen, den Magen voll Hungers, und den Kopf voll Winds haben, und ein verachtetes unberühmtes, verhaßtes Leben führen. Den Narren regnet das Geld zu; sie sitzen am Steuerruder; alles ist blühend bey ihnen. Wenn es einmal ein Glück ist, grossen Fürsten zu gefallen, und unter meinen Günstlingen, den mit Edelgesteinen behangenen Erdengöttern, seinen Wandel zu führen: was kann unnützers seyn, was von diesen Menschengeschöpfen mehr verabscheutes, als die Weisheit? Wenn es um Reichthümer zu thun ist, wie wird es um den Gewinn des sich auf der Weisheitsjagd vertändelnden Kaufmannes stehen! wenn ein Meineid ihm ein Stein des Anstosses ist? wenn er, auf einer Lüge ertapt, roth wird? wenn er sich um die Gewissensgrübeleyen der Weisen, über Diebstal und Wucher, nur ein Haar bekümmert. Wer sich nach den Ehrenstellen und Gütern der Kirche bestrebt, muß sich der Weisheit hurtig entschlagen, sonst wird jeder Esel, jeder Büffel, ihn überlaufen. Wenn Sie, meine Herren, eine Neigung zur Wollust haben, so lassen Sie sich berichten, daß ein Mädchen (ein solches wird Ihnen wohl im Kopfe stecken) einem Narren von ganzem Herzen gewogen ist, und den Weisen wie einen Scorpion verabscheut und flieht. Wenn es Ihnen um ein lustiges Leben zu thun ist, o so lassen Sie sich ja keinen Weisen mehr kommen, und wählen Sie sich lieber den ersten den besten Tummkopf zum Gefehrten. Kurz, wohin man sich immer wendet, an Päbste, Fürsten, Richter, Obrigkeiten, Freunde, Feinde, Hohe, Niedere, alles richtet sich nach dem Gelde. Freylich verachtet der Weise das Geld; aber, es läßt sich auch recht angelegen seyn, ihn zu fliehen.