Die Haupttür wird aufgeschlossen; und mit weitgeöffneten Augen, mit auf die Brust gepreßten Händen, in tiefe Trauer gekleidet, tritt Frau von Meinstorff ein. Der alte, schwache, grauhaarige Küster nimmt alle seine Kraft zusammen, um die Unglückliche zu stützen.

Es ist noch dunkel. Ferne brennen die Lichter; die großen Messingleuchter sind blank geputzt … Langsam, langsam … nun bleibt das Paar stehen … wieder einen Schritt vorwärts … langsam, langsam …

Da! Mein Gott, mein Gott!

Ein einziger, gellender Schrei klingt durch die schweigenden, hohen Hallen. Frau von Meinstorff stieß ihn aus.

Entsetzt ist der Sperling auf das große, schlechtgeschnitzte Kruzifix geflogen. Der Christus scheint zu leben. Von der stirnumstrickenden Dornenkrone blutet es; und eine liebe, unsäglich liebe Stimme spricht schwer vom Kreuze herunter:

»Wer aber nicht gesündigt, der werfe den ersten Stein auf sie.«

Der alte, schwache, grauhaarige Küster hat die Edelfrau in einen Stuhl gelegt. Dann ist er auf die Kniee gesunken und betet; und dann singt er laut den ersten besten Vers aus dem Gesangbuch, der ihm gerade einfällt. Er ist aus einem Erntedanklied:

Wir preisen dich, o Herre Gott,
Für allen deinen Segen.

Er singt ihn näselnd, als gelte es den Anfang, um die Gemeinde dann mit einfallen zu lassen.

Frau von Meinstorff lebte noch lange Jahre auf dem Gute ihres Bruders. Sie ist bis an ihren Tod verwirrten Sinnes geblieben.