Peter tat, wie ihm geheißen. Das erste in der Wohnstube, worauf sein Blick fiel, war ein Glas gelber Osterblumen, das auf dem Tisch stand. Und auf dem Nähtischchen neben einer Handarbeit entdeckte er eins mit Weidenkätzchen. Der Frühling, an dessen ersten zarten Kindern er sich gestern auf der Wanderung erfreut hatte, war auf einmal, ganz gegen seine Gewohnheit, auch ins Schulmeisterhaus gekommen und sogar in die dunkle Nordstube.

Die Tür ging auf. Da kam ein heller Sonnenstrahl hereingehuscht, dann erschien eine blanke Zinnkanne, in deren geputztem Metall sich auch ein wenig Frühlingssonne gefangen hatte, und die bewegte sich gerade auf Peter zu. Er rückte scheu mit dem Stuhle und sah von der Seite in ein Paar nahe Augen, die waren ganz voll Frühling und Sonne. »Bist du bange vor mir?« fragten ein Paar lachende Lippen, die zu diesen Augen gehörten. »Nehee,« sagte Peter errötend und rückte mutig wieder auf seinen Platz. Das Mädchen stand jetzt ihm gegenüber, die Hand auf der Kaffeekanne, aus der sie ihm eben eingeschenkt hatte, und sah ihm unbefangen und ruhig beobachtend ins Gesicht. Peter beugte sich vor Verlegenheit zu seiner Tasse und tat schlürfend einen tiefen Zug.

»Du wunderst dich wohl, daß ich auf einmal hier bin?« fragte das Mädchen.

Peter wischte sich mit dem Handrücken über den Mund, wagte es, sie anzublicken und sagte: »Ja, das ist mir sehr auffällig. Was willst du denn hier?«

»Mein Großvater schrieb mir, ich sollte kommen und Großmutter helfen; es würde ihr mit der Arbeit zu viel.«

»Ach soo. Denn bist du dem Schulmeister Albers in Audorf seine Tochter ...,« sagte Peter. Er hatte sich jetzt von seinem Staunen erholt und fühlte sich der Situation gewachsen. »Wie heißt du denn?«

»Marie. Ich bin die älteste.«

»Wie alt bist du denn?«

»Siebzehn.«

»So alt schon? Du siehst viel jünger aus. Ich bin auch siebzehn.«