Das Vöglein erhob sich plötzlich und flog mit lautem Angstgeschrei dem Hause zu. Die beiden sahen ihm nach. Da kam von dort eine Krähe geflogen, die lautlos über die Baumkronen dahinstrich und von zwei kleinen Vögeln unter schrillen Klagetönen verfolgt wurde.
»Die armen Wippsteerte!« sagte Marie traurig, »da hat ihnen die scheußliche Krähe ein Kind geraubt.«
»Und eben saß das kleine Tier hier so seelenvergnügt vor uns und wippte mit dem Schwanz,« sagte Peter ernst. »Ja, so geht es oft ... auch im Menschenleben ...«
Sie schwiegen beide. Marie bückte sich und legte eine in der Luft schwankende Bohnenranke an die nächste Stange. Peter folgte ihrem Beispiel, und so boten sie allen Pflanzen, die sich schon nach einem Halt sehnten, hilfreiche Hand. Zu einem zarten Ränkchen, das sich widerspenstig zeigte, sagte Peter, und die alte Fröhlichkeit war wieder in seiner Stimme: »So halte dich doch, du eigensinniges Ding! Und wachse tüchtig drauflos! Im August wollen wir Bohnen essen. Magst du gern Bohnen, Marie?«
»Und wie! Und wenn wir sie vor uns auf dem Tische haben, dann denken wir immer an diesen schönen Nachmittag. Nicht?«
»Ja, das ist gewiß,« sagte Peter mit frohen Augen.
Wieder ertönte das Jammergeschrei des Bachstelzenpärchens. Die Krähe holte sich eben das zweite Junge für ihre Brut.
Peter hatte einen Stein aufgegriffen und warf grimmig hinter dem Räuber her.
»Dabei kann man ja gar nicht wieder fröhlich werden, wenn man das immer sehen und hören muß,« sagte Marie, noch trauriger als vorhin.
»Ach, Tiere trösten sich bald,« sagte Peter.