»Da hast du wohl recht ... aber wenn ich daran denke, wie damals mein kleiner Bruder starb ...«

»Und wie damals meine Mutter starb ...« fügte Peter noch leiser hinzu. Nach einer Weile sagte er: »Du, das Sterben müßte überhaupt nicht sein. Oder die Menschen müßten doch erst sterben, wenn sie alt und lebenssatt sind. Meinst du nicht auch?«

»... Ich weiß nicht ... Als mein kleiner Bruder starb, da fingen wir andern Geschwister an, uns viel mehr lieb zu haben als früher. Und ich glaube beinahe, unsere Eltern hatten uns von da an auch viel lieber. Und ob das gerade immer das beste ist, wenn man so sehr alt wird, weiß ich auch nicht.«

Sie bückten sich schweigend zu den Bohnenranken. Nach einer Weile fragte Marie: »Du, sag' mal, magst du eigentlich meine Großeltern gern leiden?«

»Gern leiden?« wiederholte Peter. »Weißt du, Marie, die sind beide alt, und ich bin jung. Und du bist auch jung.«

»Jaa ... davon mag das wohl kommen.«

»Was?«

»Och ... ich meinte man ...«

»Ja, Marie, davon kommt das. Wenn wir alt sind, sind wir auch anders. Aber jetzt sind wir jung. O Marie, was ist das schön, daß wir jung sind! Zwei Alte und ein Junger im Hause, das war manchmal nicht schön. Aber nun, zwei Alte und zwei Junge, das geht wunderschön. Meinst du nicht auch, Marie?«

»Och ja, Peter ... ich war das ja auch von Hause so gewohnt, wo wir die vielen Geschwister waren.«