Eines Tages im Herbst, als Peter eben den Unterricht begonnen hatte, klopfte es an die Tür, und ehe er Herein rufen konnte, trat der Superintendent in die Schulstube. »Guten Morgen, lieber Eggers,« sagte dieser, indem er sich mit einem großen Taschentuch den Schweiß von der Stirn wischte. »Sie sind nun schon fast ein halbes Jahr hier. Da möchte ich doch mal sehen, wie's eigentlich bei Ihnen aussieht. Lassen Sie mich mal!«

Peter trat bescheiden zwei Schritt hinter den Vorgesetzten zurück.

»Na, Kinder, wollen mal biblische Geschichte nehmen. Wer erzählt mir vom Jüngling zu Nain?«

Einige Finger hoben sich. Auch Schusters Lina zeigte auf, in ihrer stillen, sicheren Weise. Wenn er sie doch nur aufriefe! dachte Peter. Aber der alte Herr griff sich einen vierschrötigen Jungen, der die Geschichte denn auch auf seine Art ordentlich erzählte.

Darauf sprach der Superintendent mit den Kindern von dem Jüngling, den sie so früh von der schönen Erde weg in das dunkle, schauerliche Grab tragen wollten, von der Mutter, die nur den einen Sohn hatte und eine arme Witwe war, von dem teilnehmenden Gefolge und von den anderen Einzelzügen, die dabei aus der schlichten Einfalt der evangelischen Erzählung in rührselige Breite gezerrt wurden. Zuletzt fragte er: »Nun sagt mir noch mal, Kinder, wie war also der Jüngling, als der Heiland ihn traf?«

»Tot,« lautete die Antwort.

»Gut, aber was für ein Tod ist das wohl gewesen?«

Kein Finger rührte sich. Die Kinder machten dumme Gesichter und sahen bald den Fragenden, bald den im Hintergrunde stehenden Schulmeister an.

»Dann will ich deutlicher fragen: Wie tot ist der Jüngling wohl gewesen?«