»Dann will ich's euch sagen. Paßt nur hübsch auf! Der Jüngling war schwer krank gewesen und zuletzt vor allzu großer Schwäche in einen Zustand tiefer Bewußtlosigkeit, in einen ganz festen Schlaf gefallen. Da meinte seine Mutter, er wäre tot, und bestellte die Beerdigung. Weil es bei solchen Leuten scheint, als ob sie tot wären, nennt man sie scheintot. Als nun die Träger unterwegs den Sarg hinstellten, gab das schon einen Ruck, und als nun der Meister den Jüngling an der Hand zog und ihn laut anrief, erwachte er aus seinem Scheintode. Dergleichen hat man öfter gehabt.«
Die Kinder waren ganz Ohr. Peter sah auf seine linke Stiefelspitze.
»Nun wollen wir Katechismus nehmen,« sagte der Superintendent. »Frage 165: Wie hat man für seine Gesundheit zu sorgen?«
Alle Kinder der ersten beiden Bänke zeigten auf, bis auf Schusters Lina. Wenn er nur das Unglückskind nicht faßte! Denn Peter hatte dem Mädchen das Nichtlernen des Katechismus stillschweigend so hingehen lassen.
Richtig, da hat er sie schon. »Du, da, die zweite auf der zweiten Bank!«
Lina stand auf, sah vor sich nieder und schwieg.
»Das weißt du nicht? Und alle auf deiner Bank zeigen die Finger. Schäme dich, du großes Mädchen, setz dich!«
Ihre Nachbarin gab die Antwort.
»Durch gesunde Speise und Trank, durch Mäßigkeit in Essen, Trinken und Schlafen; durch Mäßigung aufwallender heftiger Gemütsbewegungen, durch Arbeitsamkeit, Vorsichtigkeit, und durch die, auch zu unserer Empfehlung bei anderen Menschen unentbehrliche Reinlichkeit.«
»Gut. Wie sagt der weise Sirach darüber?«