von Irene Brug

Preis Mk. 2.—

E

Eine neue Romandichterin tritt mit dem vorliegenden Buche zum erstenmale vor die Öffentlichkeit. Sie erzählt uns keine süßliche und sentimentale Liebesgeschichte von zwei Menschen, die sich nach Überwindung von allerlei Hindernissen glücklich „kriegen“, sondern sie greift mit anerkennenswertem Freimut ein Problem an, das mit gleicher Geradheit und Ehrlichkeit wohl noch nie von einer Frau behandelt worden ist: Das Problem der Herrin Weib, des Weibes, welches in maßlosem Geschlechtsstolz sich selbst zur Königin des Mannes ernennt und hochmütig, rücksichtslos und ränkevoll genug ist, um den liebenden Mann ihrer Herrschaft zu unterwerfen. In jeder Frauenseele liegt, mehr oder weniger bewußt, dieser herrschsüchtige Weibstolz, aber schwer und ungern entschließt sich das Weib, diese innere Triebfeder ihres Handelns einzugestehen.

Die Geschichte eines merkwürdigen Seelenlebens ist von der Autorin mit schlichter Einfachheit, ohne viel Ausschmückungen und Rankenwerk, erzählt, und diese große Natürlichkeit der Sprache und Schilderung bildet nicht den geringsten Charme dieser reizvollen Geständnisse einer Frau.


Sinnen und Lauschen

Briefe an einen Freund