„Ich habe keine Braut mehr, Therese,“ sprach er und seine Stimme zitterte, „und die Sie meinen, Therese, verdient nicht, von Ihnen genannt zu werden. Fragen Sie nicht, wenn Sie es nicht wissen, und bemitleiden Sie niemanden, Therese... Schenken Sie Ihr Mitleid dem armen Wandersmann, der vor Ihnen steht und um Ihre Güte bittet...“
Therese wollte sagen: so schnell machen Sie sich von Banden und von Treue los? Aber sie brachte das harte Wort nicht über die Lippen, als sie ihm in die aufrichtigen Augen sah. In denen stand Schmerz und Erschütterung über die jüngste Vergangenheit, und neue, freundliche Hoffnung. Und ein Lächeln schwebte um seinen Mund, das war so rein und liebevoll, daß Therese vertrauensvoll ihre Arme freiwillig um seinen Hals schlang und ihm im Sturme heißer Jugend seine Küsse wiedergab.
Dann kamen freundliche Tage und Abende voll Liebe und Heimlichkeit. Wenn Freidank und Therese sich in der Wohnung begegneten, sahen sie einander nur an und lächelten, ein liebes Lächeln des Einverständnisses. Zum ersten Male in ihrem Leben hatte Therese vor ihrer Mutter ein verliebtes Geheimnis. Zum ersten Male kam sie unregelmäßig aus dem Telephondienste nach Hause. Er holte sie aus dem Bureau ab und sie ging mit ihm spazieren, stolz von ihm am Arme geführt.
Einmal fragte sie ihn nach seinen Kollegen. In übermütiger Laune ging er mit ihr in das Kaffeehaus, wo die Athleten nachmittags saßen und Karten spielten. Einige spielten mit fremden Herren, reichen Kaufleuten, Offizieren in Zivil und Bankiers, die sich eine Ehre daraus machten, an die berühmten Champions Geld zu verlieren. Denn die Fremden verloren immer. Die Athleten spielten mit ihren Partnern Hazard mit zwei Spielen französischer Karten. Die Spielregeln waren, wie es den Anschein hatte, merkwürdig primitiv. Die Anfänger lachten darüber und behaupteten, das Spiel wäre harmloser wie Sechsundsechzig. Aber wenn sie einige Stunden gespielt hatten, waren sie auf die primitivste Weise ein kleines Vermögen losgeworden.
Thyssen spielte mit Kiesling. Sie haßten einander, aber die Leidenschaft für die Karten trieb sie immer wieder zusammen. Heute hatte Kiesling beharrlich Unglück. Seine schmalen Lippen waren fest aufeinander gepreßt, seine Augen waren ganz klein und von den Lidern fast bedeckt. Die Passion des Spiels hatte in das hübsche Gesicht des jungen Mannes tiefe, häßliche Furchen gezogen.
Roditscheff, der nur selten spielte, ging an Kiesling heran und sagte halblaut:
„Höre auf, Paul! Du weißt, daß du von ihm nichts erbst.“
Kiesling erwiderte mit einem schmalen, bitteren Lächeln:
„Deine Warnung kommt schon wieder zu spät. Ich bin bereits blank.“
In allen andern Dingen vernünftig und besonnen, konnte Kiesling der Spielwut nicht widerstehen. Er kämpfte einen kurzen Kampf mit sich selbst und fragte mit gezwungenem Lächeln: