In dieser Stunde wurde Therese Eberhards Geliebte und seine verlobte Braut. —
Als Mama Ambrosius nach Hause zurückkehrte, fand sie die Liebenden Hand in Hand am Fenster des Wohnzimmers sitzen. Sie hatten schon von der Zukunft gesprochen, und beide strahlten von jugendlicher Zuversicht.
„Ich liebe ihn, Mutter!“ sagte Therese fröhlich, „und er bleibt hier, er geht nicht fort... Er ist so begabt! Er wird sein Drama schreiben, er wird Erfolg haben...“
Frau Ambrosius lächelte mütterlich:
„Ja, so — so ist es etwas anderes, lieber — Schwiegersohn! — Sie sind beide jung, Sie können warten, bis Sie... Die Geistesarbeit wird Ihnen eine andere Karriere gewähren, als diese, diese....,“ sie schüttelte sich ein wenig, „als diese Kraftmeierei!“
XI.
Als Eberhard der Kraft untreu wurde und sich dem Geiste zuwendete, war er auf einige Monate hinaus vor quälenden Nahrungssorgen geschützt. Während der letzten drei Wochen der Konkurrenz, seit Beginn der Entscheidungskämpfe, hatte er täglich fünfzig Mark verdient, seine einfache Lebensweise aber nicht geändert, so daß er an siebenhundert Mark Ersparnisse besaß.
Als Thereses Bräutigam hatte er von Mama Ambrosius fortziehen müssen und nicht gar zu weit ein neues Logis gefunden. Nun gehörten seine Tage, wie vordem, der Arbeit und der Liebe. Die sechs Wochen voll von Triumphen, Erfahrungen und Leidenschaften lagen hinter ihm wie ein Traum. Er wollte auch nicht mehr denken an den Traum. Jedesmal, wenn sein Blick auf seine Hanteln traf, oder auf ein Stück seiner Bühnenkleidung, oder auf ein Bild, das ihn im Dreß darstellte, furchte sich seine Stirne und er hatte ein leise schmerzendes, bitteres Gefühl, als ob er einem guten Engel aus dem Wege gegangen sei. Wenn aber Therese ihm zur Seite war, ihre Augen ihn klug und freundlich ansahen und ihr Mund gescheit und lieblich plauderte, zerstob der kleine Schmerz.