Seit einer Woche sind wir Zeugen der ergreifendsten Szenen, über die sich ein Fernstehender kaum ein Bild machen kann. Täglich kommen lange Züge mit Armeniern an, die nach ihren Aussagen aus Ismid, Adabazar und Umgebung ausgewiesen worden sind.
Von Durchreisenden haben wir erfahren, daß diese Ausweisungsmaßregeln schon seit Monaten in Cilicien und Nordmesopotamien zur Anwendung kommen, und wie wir hören, soll auch in anderen Orten Anatoliens mit den Armeniern aufgeräumt werden. Heute erhielten auch die hiesigen Armenier den Befehl, die Stadt innerhalb acht Tagen zu verlassen.
Was wir mit unserem Bericht bezwecken, ist, gegen die jeder Menschlichkeit zuwiderlaufende Art der Behandlung dieser Vertriebenen Einspruch zu erheben.
Weiber und Kinder werden mit Faust- und Stockschlägen angetrieben. Auf offenen Karren und Tatarwagen werden sie in die Nacht gejagt, und die Unbemittelten müssen zu Fuß mit dem Rest ihrer Habe die beschwerliche lange Reise fortsetzen.
Die des Nötigsten entbehren, müssen ihre geringen Habseligkeiten verschleudern, ja, sie werden ihnen oftmals mit Gewalt entrissen und gestohlen.
Wie groß die Verzweiflung ist, geht daraus hervor, daß Mütter ihre Kinder verschenken, um sie vor dem elendesten Los zu bewahren.
Kinder, die von mitleidigen christlichen Familien angenommen wurden, sind diesen später von den Behörden abgefordert und Türken gegeben worden.
Hilfeleistungen von unserer Seite wurden nicht gern gesehen. Dies erinnert uns an einen Vorfall im April d. J., wo die Unterstützung der hiesigen amerikanischen Mission an die ca. 3000 von Zeitun ausgewiesenen Armenier verboten wurde; dagegen wurde von keiner Seite Einspruch erhoben, als bei den Balkanwirren von der gleichen Mission für mehr als 500 Ltq. Betten und Wäsche von Eskischehir bis Eregli unter den muhammedanischen Auswanderern verteilt wurden.
Der ganze Weg von hier bis hinter Aleppo gleicht einer Karawane des Jammers und des Elends. In Ortschaften wie Karaman, Eregli und Bozanti, wo die Bewohner selbst an Brotmangel leiden, ist das Los der Vertriebenen unausdenkbar; sie sind einem langsamen qualvollen Hungertode preisgegeben. Zur Kenntnisnahme erwähnen wir, daß in Bozanti trotz einem Brotpreise von Piaster 8 per Oka solches nicht zu bekommen ist.
In den Gebirgsgegenden diesseits und in der Ebene jenseits des Taurus sind diese Ärmsten den schändlichen Gelüsten der halbwilden muhammedanischen Bevölkerung ausgesetzt.