Die ganze Maßregel läuft also allem Anschein nach auf eine völlige Ausrottung der Armenier hinaus.

Diese unmenschliche Behandlung bildet nicht nur für die Türken einen unauslöschlichen Schandfleck in der Weltgeschichte, sondern auch für uns Deutsche, falls wir der Sache untätig zusehen und die Vernichtung dieses Volkes zulassen. Abgesehen davon ist dieses Vorgehen höchst beklagenswert im Interesse der wirtschaftlichen Lage des Landes und auch deutsche Unternehmungen werden dabei in Mitleidenschaft gezogen, wenn dieses arbeitsame Volk zugrunde geht.

Wenn sich Unterzeichnete erlauben, der Kaiserlichen Botschaft einen Bericht über diese Zustände zu übersenden, so tun sie dies in der Annahme, daß diese der Kaiserlich Deutschen Botschaft nicht in vollem Umfange bekannt sind.

Wir Deutsche, die wir hier jetzt täglich gezwungen sind, einem unmenschlichen Treiben zusehen zu müssen, fühlen uns als Mitglieder eines Kulturstaates inmitten eines halb zivilisierten Volkes verpflichtet, dagegen zu protestieren.

In Erwartung, daß unsere Bitte dahin berücksichtigt wird, daß wenigstens das Los der tausende und abertausende unschuldiger Frauen und Kinder gemildert wird, zeichnen wir

Hochachtungsvoll

Willy Seeger, Leiter der Anatolischen Industrie- und Handelsgesellschaft, Filiale Konia. Georg Biegel, Mittelschullehrer. Heinrich Janson, Werkmeister. J. E. Maurer, Diplom-Ingenieur.

An die Kaiserlich Deutsche Botschaft
Konstantinopel.

144.

(Auswärtiges Amt.)