Die Nacht verbrachten wir im Schilf. Im Morgengrauen des 5. Juli krochen wir nach dem Platz, wo das Verbrechen begangen worden war und sahen dort die Leichen unserer Kameraden umherliegen, darunter die des Regimentskommandeurs Wladimiroff, des Offizierstellvertreters Sohraboff, des Bataillonchefs Bosnakian und des Offizierstellvertreters Bosnakian.
Mit großen Schwierigkeiten konnten wir die Station Kumis erreichen, von wo aus deutsche Offiziere uns nach Tiflis brachten. Barfuß und in Unterkleidern meldeten wir uns bei dem Stab der Roten Garde und erhielten Kleider und Schuhe.“
Ferman Wehib Paschas.
Zum Zwecke der Wiederherstellung der Eisenbahnverbindung zwischen Eriwan und Elisabethpol wurden besondere Züge abgelassen, in denen sich türkische Offiziere befanden. Diese Offiziere nahmen einen Ferman Wehib Paschas mit, in dem der tatarischen Bevölkerung mitgeteilt wurde, daß nunmehr der Friede geschlossen sei und ihre feindselige Haltung den Armeniern gegenüber aufzuhören habe. Ebenso sei es verboten, fernerhin die Armenier zu töten[150].
Auf der kaukasischen Heeresstraße.
(Zur Lage der armenischen Flüchtlinge.)
Aus Wladikawkas wird uns vom 2. Juli berichtet:
Es gibt keinen Armenier, dem nicht in Lars bei Kasbek ein Unglück begegnet wäre. Die armenischen Flüchtlinge werden nicht nur ihres Geldes und ihrer Habe beraubt, sondern sie haben dazu noch Erniedrigungen und Vergewaltigungen aller Art zu erdulden. Die Flüchtlinge, welche Wladikawkas erreichen, glauben, dort in Sicherheit zu sein. Nach kurzer Rast daselbst begeben sich die Flüchtlinge nach Armavir. Auf den Stationen Darkoch und Elchotowo wird der Flüchtlingszug das Opfer eines organisierten Räuberüberfalles. Hier werden die Flüchtlinge von den Räubern gründlich ausgeplündert, die geraubte Habe wird auf kleine Wagen verladen und nach den Wohnsitzen der Räuber geschleppt. Dies alles geschieht am hellen Tage und straflos. Die dortige Regierung, welche alle diese Ereignisse mit ansehen mußte, hat nun endlich strenge Maßnahmen ergriffen. Diesen zufolge sollten die Züge durch Soldatenabteilungen beschützt werden und hauptsächlich aus Panzerwagen bestehen. Wir hoffen, daß die räuberischen Überfälle nunmehr bald aufhören werden.
Aus Duschet wird uns vom 8. Juni gemeldet:
Einige Kilometer von Kazbek entfernt, brachen Feindseligkeiten zwischen den Gardisten der georgischen Republik und den Gardisten der russischen kommunistischen Republik aus. Die beiderseitigen Gegner schlossen, als sie das Elend der Flüchtlingsscharen auf dem betreffenden Gebiet sahen, einen Waffenstillstand von 8 Uhr früh bis 2 Uhr nachmittags, um den Flüchtlingen Gelegenheit zu geben, gruppenweise die Linien zu passieren. Nach 2 Uhr sollte das „Kriegsspiel“ wieder aufgenommen werden. Nicht wenige Flüchtlinge werden trotzdem Opfer dieser Scharmützel und müssen, oft unter Zurücklassung ihrer gesamten Habe, schleunigst flüchten, um nur das nackte Leben zu retten. Auf den Sammelstellen der Flüchtlinge herrschen schreckliche Zustände. Kälte, Schmutz, Nächte unter dem freien Himmel fördern gefährliche Epidemien, denen viele zum Opfer fallen.