An die Deutsche Gesandtschaft, Bern.

November.

444.

Société Impériale ottomane
du Chemin de Fer de Bagdad.

Konstantinopel, den 5. November 1918.

An den Verwaltungsrat der Bagdad-Eisenbahn-Gesellschaft, Berlin, betreffend Armenierfrage.

In dieser Frage haben wir Ihnen in den Jahren 1915 und 1916 — hauptsächlich im Sommer und Herbst 1915 — vielfach und eingehend zu berichten gehabt.

Wie Sie sich erinnern werden, hatten wir Kämpfe zu bestehen, um unsere armenischen Angestellten ihrem Dienst an unseren Bahnen zu erhalten. Die kritischste Periode war im August 1915, als die türkische Regierung unvermittelt eines Tages an die Ausführung ihrer Absicht ging, unsere armenischen Angestellten in der Zahl von etwa 850 zwangsweise mit ihren Familien in die entfernteren Gegenden des Reiches abzuführen. Sie erinnern sich, daß der Zeichner dieses damals zunächst einen Aufschub der Maßregeln erwirkte dadurch, daß er erklärte, zur selbigen Stunde den Betrieb auf der ganzen Linie einzustellen, weil ein solcher in geregelter Weise nach der Herausnahme von 850 geschulten und eingearbeiteten Beamten eine Unmöglichkeit sei. An unserer ohnehin geschwächten Organisation zu rühren, bilde überhaupt eine Gefahr von ungeheurer Tragweite, die sogar den Gang des Krieges beeinflussen könne.

Es war dann eine sehr schwierige Aufgabe, den Aufschub in eine Aufhebung der Maßregeln gegen unsere armenischen Angestellten umzuwandeln, und, wie Sie wissen, haben wir diese Aufgabe trotz vielfacher und immer wieder aufs neue einsetzender starker Pression siegreich durchgeführt.

In diesen Tagen war nun eine Deputation unserer armenischen Angestellten bei uns, um zu erklären, daß sie erst jetzt die Freiheit besäßen, uns auszusprechen, was sie seit 1915 in steigender Lebhaftigkeit empfunden hätten, nämlich daß sie und ihre Familien Leben und Existenz nur unserem damaligen festen Eingreifen zu danken hätten. Daß sie seien, und was sie seien, dankten sie einzig der Leitung der anatolischen Eisenbahn-Gesellschaft, und es gäbe in den armenischen Familien an unseren Linien kein Familienmitglied, daß dieser Tatsache nicht jeden Tag, den Gott gibt, dankbar gedächte. In diesem Sinne sprach sich die Deputation aus, und unsere Erwiderung bewegte sich in der Richtung, daß wir an unseren armenischen Angestellten stets gewissenhafte Mitarbeiter besessen hätten, und daß es sich um ein einfaches Gebot der Pflicht für uns gehandelt hätte, Treue mit Treue zu entgelten. Den Dank nähmen wir gerne entgegen und hofften, daß wir ihn in der Gestalt von treuer Pflichterfüllung und Hingabe an unsere gemeinsame Aufgabe betätigt sähen. Wenn wir uns wie bisher auf unsere armenischen Angestellten verlassen könnten, so könnten sie sich mit Zuversicht auch auf uns — die Leitung — verlassen, und auf diese Weise könnten wir in gemeinsamer ernster Arbeit jeder von seinem Platze aus die Aufgabe erfüllen, die unseren Bahnen in der Türkei zum Besten des Landes und seiner Bewohner gestellt ist.