Nach Autobiographie.

Gavél, Charlotte Margarethe Elisabeth v. Genremalerin. Geb. 16. Februar 1833 in Livland; gest. 28./16. November 1894 in München. Empfing ihre künstlerische Ausbildung in München und war Mitgl. der dortigen Künstlergenossenschaft. Es gibt von ihr mehrere Genrebilder.

Gebhardt, Franz Karl Eduard v. Historienmaler. Geb. 13. Juni 1838 im Pastorat St. Johannes in Estland als Sohn des dortigen Pastors, kam nach dem Besuch der Domschule zu Reval 1855 auf die Petersburger Akad., verliess diese aber schon 1858, um die Kunstschule in Karlsruhe zu besuchen, in die er nach einer Reise durch Holland und Belgien, und nach einem Studienaufenthalte in Tirol, eintrat. Aber schon 1860 siedelte er nach Düsseldorf über, wo er Schüler von Wilh. Sohn wurde, mit dem ihn bald warme Freundschaft verband. Von Düsseldorf aus unternahm er wiederholt Reisen durch Deutschland, die Niederlande, Frankreich und Oberitalien. Am 11. März 1874 wurde er an die Stelle von Th. Hildebrandt in das Lehrerkollegium der Düsseldorfer Akad. berufen und neben Röthing mit der Leitung der mittleren Malklasse betraut; 1875 erhielt er die Ernennung zum Professor. Gebhardts ausserordentliche Bedeutung liegt in der Art seiner künstlerischen Auffassung der biblischen Geschichte, als deren vornehmster Interpret er angesehen werden kann. Abweichend von der traditionellen Heiligenmalerei und von jener hyperrealistischen der Schule Vernets lässt er in seinen religiösen Bildern die Menschen seiner Umgebung in die Erscheinung treten und kleidet sie in die Tracht der Reformationszeit, um auch dadurch an jene grosse Zeit zu erinnern. Schwungvolle Komposition, tiefe geistige Auffassung und ein blühendes Kolorit, das sich zuweilen an Dürer und die grossen Vlamen des 16. Jahrhunderts anlehnt, zeichnen seine Werke aus. Gebhardt ist Mitgl. der Akademien zu Berlin, München und Wien. Besitzer der kl. gold. Med. Berlin 1872; der Med. der Wiener Welt-Ausstellung 1873; der Med. II München 1879; der gold. Erzherzog Karl-Ludwig-Med. Wien 1879; der gr. gold. Med. Berlin 1881; des Preisdiploms der Dresdner Aquar. A. 1887; Inhaber verschiedener Orden und stimmfähiger Ritter des preuss. Ordens pour le merite für Wissenschaft und Kunst, 1890. Von Gebhardts Werken seien hier genannt:

I. Oelgemälde.

Selbstporträt aus der Jugendzeit (Bes. Dom-Mus. Riga). — Christi Einzug in Jerusalem, 1863 (Bes. Fabrikbes. J. Ruhr, Euskirchen). — Auferweckung von Jairi Töchterlein, 1864 (Bes. J. Ruhr, Euskirchen). Rad. vonA. Neumann, Zeitschr. für bild. Kunst, 1872. — Der arme Lazarus, 1865 (Nach Kalifornien verkauft). — Kreuzigung Christi, 1866 (Bes. Domkirche zu Reval). — Aus der Reformationszeit, 1868 (Berlin Privatbes.). — Ecce homo, 1870 (Bes. Luché Bauer, Berlin). — Das letzte Abendmahl, 1870 (Bes. National-Gal. Berlin, 1872). Rad. v. W. Unger, Zeitschr. für bild. Kunst, 1874. Kunsthist. Bilderbogen, Holzsch. Nº 283. — Christus am Kreuz, 1873 (Bes. Kunsthalle, Hamburg). — Porträt des Hn. Pieper, Düsseldorf, 1873. — Zwei Gelehrte, 1874 (Bes. E. Botkin, Moskau). Unter dem Titel: „Joh. Müller Regiomontanus erklärt dem Nürnberger Mathematiker Bernh. Walter die Bedeutung des Pendels“ im Daheim, 1876. — Porträt des Bürgermeisters Wortmann in Düsseldorf, 1874 (Im Bes. des Dargestellten). — Religionsgespräch, 1875 (Bes. Ferd. Reichenheim, Berlin). — Junges Ehepaar am Fenster, 1875 (Privatbes., Hamburg). — Die Jünger von Emmaus, 1876 (Bes. Alex. v. Harder, Karlsruhe). — Heimführung (Bes. die Erben des Barons Alex. v. Uexküll-Heimar. Abb. im Daheim, 1882). — Aus dem Reformationszeitalter. Ein Reformator seine Gedanken niederschreibend, wobei ihm seine Frau über die Schulter blickt, 1877 (Bes. städt. Mus., Leipzig). — Ein kleiner Christuskopf, 1877 (Bes. Kaufmann Hollmann, Hamburg). — Christuskopf, 1878 (Bes. Kirche zu Lauckwitz bei Berlin). — Christuskopf, 1878 (Bes. E. Schulte, Düsseldorf). — Altdeutsche Hausfrau, 1878 (Bes. E. Schulte, Düsseldorf). — Mutterglück (Bes. H. Sthamer, Hamburg). — Porträt des Barons Schilling auf Jürgensburg, Estland, 1879. — Porträt des Barons Gustav Gideon Schilling, 1879 (Bes. Baron Georg Schilling, Petersburg). — Porträt des Fabrikbesitzers K. Pönsgen, Düsseldorf, 1879. — Christi Himmelfahrt, 1881 (Bes. National-Gal., Berlin, angekauft 1881. Holzschn. in d. Zeitschr. für bild. Kunst, 1882; Abb. im Daheim, 1882. Rad. von Fr. Boettcher). — Christus auf dem Meere wandelnd, erhebt den versinkenden Petrus. Altargem. für die Kirche zu Ziegenhals. Abb. im Daheim, 1881. — Die Klosterschüler, 1882. Abb. im Daheim, 1884 und in Kunst für Alle, 1887. — Pietà, 1883 (Bes. Kgl.-Gal., Dresden, angekauft 1884). — Christus am Kreuz. Altargem. der luth. Kirche zu Joachimstal bei Narva. — Bei der Arbeit (Abb. im Daheim, 1886). — Christus mit dem Kelch (Privatbes., Liegnitz). — Die alte Stadtverfassung. — Porträt des Pastors Huhn in Reval (Bes. Olaikirche, Reval). — Der ungläubige Thomas, 1889 (Abb. Kunst für Alle, 1890. Bes. Kunsthalle in Düsseldorf). — Christi Darstellung vor dem Volk. Skizze (Bes. Kunsthalle, Düsseldorf; Geschenk des Künstlers), 1890. — Christus in Bethanien, 1891 (Bes. Gal. zu Bremen). — Die Wandgemälde im Kloster zu Loccum, 1891 vollendet. — Der reiche Jüngling, 1892 (Bes. Düsseldorfer Kunsthalle). — Bergpredigt, 1893 (Bes. Louis Weddigen, Wiesbaden). — Jakob mit dem Engel ringend, 1894 (Bes. Gal., Dresden). — Jesus zwischen den Schriftgelehrten im Tempel, 1893. — Die Heilung des Gichtbrüchigen, 1894 (Bes. Mus. Breslau). — Die Auferweckung des Lazarus, 1896. — Die Jünger in Emmaus, 1897. — Die Verklärung Christi, 1897 (Altargem. für die Kirche zu Kokenhusen in Livland). — Elias in der Wüste, 1898. — Christus und Nikodemus, 1898. — Verba Magistri, 1900 (Bes. Geheimr. Prof. Dr. O. Jäger, Berlin). — Die Wandgemälde in der Friedenskirche zu Düsseldorf, vollendet 1906. — Christus auf dem Meere, 1901 (Mus. zu Essen). — Eine Streitfrage, 1902 (Privatbes. in Frankfurt a/M.). — Johannes im Kerker, 1907. — Tod des Lazarus, 1908 (Bes. Prof. Oeder, Düsseldorf; Orig. Skizze im Bes. von Dr. W. Neumann, Riga). — Der verlorene Sohn, 1907. — Der Tod Mosis (Bes. Kunsthändler G. Paffrath, Düsseldorf). — Christus bei Maria und Martha, 1908.

II. Oelgemälde und Studien in balt. Privatbesitz.

Jugendporträt Gebhardts (Bes. Dr. W. Neumann, Riga). — Kreuzigungsgruppe, Skizze (Bes. Frau Betty Hippius zu Neu-Harm). — Porträt der Frau Konsistorialrat Minna v. Gebhardt (Bes. Propst v. Gebhardt zu St. Johannis in Estland †. Das Original im Besitz des Künstlers). — Wiederholung des Porträts des Barons Gideon v. Schilling (Bes. Baron Georg Schilling auf Jürgensburg in Estland. Die Skizze zum Porträt im Besitz des Barons Otto v. Schilling zu Kook). — Porträt der Baronin Henriette v. Schilling, geb. Baronesse Stackelberg (Bes. Baron Georg Schilling, Jürgensburg). — Porträt der Baronin Margarethe Schilling, geb. Gräfin Wartensleben (Bes. Baron Georg Schilling, Jürgensburg). — Wiederholung des Porträts des Pastors Huhn, gemalt für dessen Witwe. — Porträt des Oberpastors Gebhardt zu St. Nikolai in Reval nach einem Porträt des Malers Lehmann. — Mehrere Jugendarbeiten bei Propst v. Gebhardt, dem Bruder des Künstlers, † in St. Johannis in Estland. — Verschiedene Studienköpfe im Besitz der MalerG. v. Rosen undTh. Kraus, Riga. — Ein Maler in seinem Atelier eine Frau mit ihrem Kind malend (Bleistiftzeichnung im Besitz von Dr. W. Neumann, Riga).

Adolf Rosenberg: E. v. Gebhardt. Künstlermonographien herausg. von H. Knackfuss, Bd. XXXVIII, 1899. — W. Neumann, in der Balt. Monatsschr. Bd. 45, in Baltische Maler und Bildhauer des 19. Jahrh. und im Jahrbuch der baltischen Kunst 1908. — Dr. Hermann Board in der „Woche“ Nº 24, 1908 ders. in der Zeitschrift „Die Kunst“ 1908 S. 433 ff. — F. Schaarschmidt in der „Kunst für Alle“ Bd. II, Heft 13; III, 9; V, 2; VII, 18; VIII, 21 u. 22; IX, 3; XI, 18; XIII 17 u. 24; XIV, 18; XVI, 5; XVII, 9 u. 24; XXII, 14 u. 24; XXIII, 4. — Vergl. auch Zeitschrift für bildende Kunst, 1908.

Gehlhaar, Theodor. Geschickter Dilettant. Geb. 1805 in Lemsal; gest. daselbst 1871, studierte Pharmazie in Dorpat und übernahm nach dem Tode seines Vaters dessen Apotheke. Sein nicht unbedeutendes Zeichentalent wurde durch die MalerSchwede und den LithographenF. Schlater weitergebildet und namentlich als geschickter Steinzeichner hat G. sich Verdienste erworben. Von seinen Arbeiten sind hervorzuheben: Die Kegelbahn. — Der Leseabend mit Porträts damals bekannter Persönlichkeiten. — Ansicht von Reval vom Wege der Zuckerfabrik gesehen. Aquat. qu. fol. 1825. — Porträt eines Frl. Johanna v. Hübbenet. — Schottischer Knabe mit Hund. — Mehrere Miniaturporträts auf Elfenbein. — Zehn Lithographien nach den vonK. v. Kügelgen undJohannes Hau aufgenommenen Revaler Ansichten, die von G. Eggers in Reval herausgegeben unter dem Titel: Collection des XII vues gravées à l’aquatinta, 1828 erschienen. — Fünf Ansichten von Reval in farbigen Lithographien 1850, qu. 8 o. — Ansicht von Reval. Lith. von Tempeltey, Druck von Delius, Berlin. Gr. qu. fol. — Szenen aus dem estnischen Bauernleben, lith. v.Schlater, qu. 8 o (5 Blatt).

Geiger, Pauline, geb. v. Schultz. Malerin. Geb. 21. April 1851 in Petersburg, erhielt ihre künstlerische Ausbildung anfänglich in Dresden, dann in Paris unter Labrichon und schliesslich in Venedig unter Eugen v. Blaas. Sie lebt in Venedig. Von ihr u. a: Am Brunnen; Venetianischer Crevettenhändler.