Mit affektierter Freude eilte die Hofdame, Fräulein von Giese, auf Käthe zu und begrüßte sie als eine »Langentbehrte«; auch dem Kommerzienrate reichte sie die Hand zum Gruße. »Schön, daß wir Sie hier treffen, mein bester Herr von Römer!« rief sie. »Da können wir Ihnen doch vorläufig danken für die bewunderungswürdige Art und Weise, mit der Sie unsern kleinen Polterabendscherz unterstützten. Wahrhaftig süperbe, zauberhaft!« Sie küßte entzückt ihre Fingerspitzen. »Solche Feerien aus ‚Tausendundeine Nacht‘ kann man allerdings auch nur in der Villa Baumgarten arrangieren — darüber ist die ganze Welt einig. — Apropos, haben Sie schon von dem Unglücke des Major Bredow gehört? Er ist fertig, total zu Grunde gerichtet — alle Kreise sind alarmiert. Mein Gott, in welcher entsetzlichen Zeit leben wir doch! Sturz folgt auf Sturz, in so rapider Weise —«

»Major Bredow hat aber auch wahnsinnig genug in den Tag hinein spekuliert,« sagte die Präsidentin gleichmütig und stützte behaglich den Ellenbogen auf die gepolsterte Lehne ihres Fauteuils. »Wer wird denn so toll, so ohne Sinn und Verstand vorgehen?«

»Die Frau, die schöne Julie, ist schuld — sie hat zu viel gebraucht; ihre Toiletten allein haben jährlich dreitausend Thaler gekostet.«

»Bah, das hätte sie auch fortsetzen können, wenn der Herr Gemahl mit seinem Anlagekapital vorsichtiger gewesen wäre, aber er hat sich an Unternehmungen beteiligt, die von vornherein den Schwindel an der Stirn getragen haben.« — Sie zuckte die Achseln. »In solchen Fällen muß man mit einer Autorität gehen, wie ich zum Beispiel; gelt, Moritz, wir können ruhig schlafen?«

»Ich mein' es,« versetzte er lächelnd mit der lakonischen Kürze der Ueberlegenheit und füllte sein Glas mit Burgunder — er leerte es auf einen Zug. »Ganz ungerupft bleibt man bei einem solchen eklatanten Zusammensturz selbstverständlich auch nicht; da und dort entschlüpft ein kleines Kapital, das man ‚spaßeshalber‘ riskiert hat — Nadelstiche, an denen sich bekanntlich niemand verblutet —«

»Ach, da fällt mir eben ein, daß ich ja heute die Börsenzeitung noch nicht erhalten habe,« fiel ihm die Präsidentin ins Wort und richtete sich lebhaft auf. »Sie kommt sonst pünktlich um neun Uhr in meine Hände.«

Er zog gleichgültig die Schultern empor. »Wahrscheinlich ein Versehen auf dem Postamte, oder das Blatt hat sich in mein Brief- und Zeitungspaket verirrt und ist mit hinüber in den Turm gewandert; ich werde nachsehen.« Dabei stellte er sein Glas nieder.

»Pardon, meine Damen!« sagte er mit Hindeutung auf sein rasches Trinken. »Ich fühlte plötzlich, daß mein gefürchteter Kopfschmerz im Anzuge; er kommt blitzschnell, und ich pflege ihn mit einem schnell genossenen Glase Wein aus dem Felde zu schlagen.« Vorhin hatte er in der That ausgesehen, als dringe ihm die dunkle Glut des Rotweins bis unter die Stirnhaut.

Er entkorkte rasch eine Flasche Sekt und füllte mehrere auf dem Büffett stehende Gläser. »Ich bitte, mit mir auf das Gelingen unserer heutigen Abendvorstellung zu trinken,« sagte er, ein Glas erhebend, zu den Damen, welche die Kristallkelche ergriffen und seinem Beispiele folgten. »Die Blumenfee mit ihrem reizenden Gefolge soll leben. Die Jugend und die Schönheit, und das herrliche Leben selbst, das ja keinem von uns feindlich ist, ja, auch der süßen Gewohnheit des Daseins ein Hoch!«

Die Gläser klangen und die Präsidentin schüttelte leise lachend den Kopf.