»Sonach bist du auf dem Wege, die erste Partie im Lande zu werden, Käthe — kannst wie im Märchen zu deinem Hochzeitsmahl den Speisesaal mit harten Thalern pflastern lassen,« rief Flora herüber; sie lehnte wieder zwischen den Polstern des Ruhebettes und hatte ein Buch in die Hand genommen. »Schade um das Geld! Schau, du mußt nicht böse sein, Kind, aber ich fürchte, du bist moralisch allzuviel gedrillt worden, um mit Geist deinen Goldregen vor der Welt funkeln zu lassen.«
»Das wollen wir abwarten,« lachte das junge Mädchen. »Einstweilen habe ich noch kein Recht, eigenmächtig auch nur einen Thaler da herauszunehmen,« sie zeigte auf den Schrank; »aber in Bezug auf die Schloßmühle möchte ich, wenn auch nur für einen Tag, majorenn sein, Moritz!«
»Ist sie dir unbequem, schöne Müllerin?«
»Meine Mühle? So wenig unbequem wie mein junges Leben, Moritz! Aber ich war gestern im Mühlengarten — er ist so groß, daß Franz die an die Chaussee stoßende Hälfte aus Mangel an Zeit und pflegenden Händen vernachlässigen muß. Er will dir den Vorschlag machen, das Stück zu verkaufen; es gäbe prächtige Bauplätze zu Villen und würde gut bezahlt werden, meint er, ich aber finde, daß die Landhäuser ganz gut auch wo anders stehen können, und möchte das Grundstück lieber deinen Leuten geben, die gern in der Nähe der Spinnerei bauen wollen.«
»Ach — verschenken, Käthe?«
»Fällt mir nicht ein. Du brauchst gar nicht so spöttisch mitleidig zu lächeln, Moritz! Ich werde mich wohl in der Villa Baumgarten mit ‚Sentimentalität und Ueberspanntheit‘ blamieren! ... Uebrigens wollen ja die Leute auch gar kein Geschenk oder Almosen, wie Doktor Bruck sagt —«
»Ei, ‚wie Doktor Bruck sagt‘? Ist der auch schon dein Orakel?« rief Flora, aus den Kissen emporschnellend — sie fixierte über das Buch hinweg scharf, mit einem rätselhaft wechselnden Ausdrucke das Gesicht der Schwester; es errötete allerdings für einen Augenblick tiefer, aber die Augen erwiderten den blinzelnden Blick fest, mit kaltem Ernste. »Ich weiß auch, welchen Wert das Selbsterworbene hat — was ich mir selbst erringen kann, ziehe ich dem bestgemeinten Geschenke weit vor,« fuhr sie fort, ohne auf Floras Einwurf zu antworten; »und schon aus dem Grunde sollen die Leute zahlen, genau das zahlen, was sie für deinen Grund und Boden geben wollten.«
»Da machst du ja brillante Geschäfte, Käthe,« lachte der Kommerzienrat. »Mein steriles Stück Uferland wäre schon mit der Summe, die darauf geboten worden ist, schlecht genug bezahlt gewesen — nun gar der prächtige Gartenboden neben der Mühle! ... Nein, Kind, so gern ich auch möchte — mein vormundschaftliches Gewissen gestattet mir nicht, dich auch nur für eine Stunde majorenn sein zu lassen.«
»Nun, da mögen sich die Baulustigen einstweilen behelfen, wie sie können,« sagte sie weder überrascht, noch ärgerlich. »Ich weiß, ich werde in drei Jahren darüber noch genau so denken wie heute, dann aber kann es sich schon ereignen, daß ich auch noch den dummen Streich mache, den Leuten das Baugeld ohne Prozente vorzustrecken.«
Sie grüßte ruhig lächelnd und ging hinaus.