»Ja, Flora, Käthe treibt Musik,« rief der Kommerzienrat herüber. Er sprach mit einem Herrn in der Nähe der Thür und trat jetzt näher. »Ich weiß es aus den Rechnungsbelegen der Doktorin. Viel Geld, Käthe! Ich habe es dir schon sagen wollen: Du hast sehr teure Lehrer.«
Das junge Mädchen lachte. »Die besten, Moritz. Wir in Dresden sind praktische Leute; das Beste ist das Billigste.«
»Nun, mir ist's schon recht. Hast du denn aber auch Talent?« fragte er in zweifelhaftem Tone; »die musikalische Begabung lag allerdings nicht in der Familie Mangold.«
»Den Trieb wenigstens,« versetzte sie einfach, »und die Neigung, Melodien zu ersinnen.«
Flora, die eben auf die Schwelle des Salons trat, wandte sich überrascht um. »Geh doch, Käthe!« sagte sie hastig. »Melodien ersinnen! Du siehst mir danach aus mit deinen roten Backen und deiner Hausfrauenerziehung. Eine Polka oder ein Walzer läuft wohl jedem, der gerne tanzt, einmal durch den Kopf —«
»Und ich tanze leidenschaftlich gern, Flora,« unterbrach Käthe sie heiter und aufrichtig bekennend.
»Siehst du? Wer wird sich da gleich den Anschein tiefsinniger Produktivität geben! Und darauf hin nimmst du wohl gar Unterricht in der Komposition?«
»Ja, seit drei Jahren.«
Flora schlug die Hände zusammen und kam ganz erregt in das Musikzimmer zurück. »Ist denn deine Lukas« — sie nannte die ehemalige Gouvernante immer noch bei ihrem Mädchennamen — »von Sinnen, daß sie das Geld so zum Fenster hinauswirft?«
Es war ziemlich still im anstoßenden Salon. Die drei alten Herren am Kamin und die Dame, welche mit dem Doktor gesprochen, hatten eben auch einen Spieltisch besetzt; Doktor Bruck saß in leise geführter Unterhaltung neben Henriette und Fräulein von Giese pausierte aufhorchend für einen Moment; so konnte man jedes Wort dieses ziemlich lauten Gespräches drüben hören.