Am Nachmittag waren fast dreimal soviel Leute um das Wasserbecken versammelt als am Vormittag. Die Kunde von dem Eishund, wie sie ihn nannten, hatte sich rasch verbreitet. Auch Bubbles, der Berichterstatter, war wieder da, samt dem Photographen seines Blattes. Sehr bald kam ein Lastwagen der Parkbehörde mit Brettern und Holzböcken angefahren. Auch Kaiser und Flaherty und noch andere Polizisten kamen, um den Feldzug gegen den Eishund zu leiten und die Menge in Ordnung zu halten.
»Das wird der reine Zirkus!« bemerkte der dicke Flaherty lachend zu Kaiser.
»Merkwürdig«, entgegnete Kaiser, »welche Unmasse Maulaffen es in New-York gibt, sowie es etwas zu sehen gibt. Und sei es nur ein Köter auf dem Eise.«
Die Holzböcke wurden neben dem Aussichtsturm auf das Eis gestellt und dann die Bretter darüber gelegt. Dann begaben sich die vier Parkfeger auf das Eis und näherten sich dem Köter, der sie mit einem Ausdruck höchsten Argwohns herankommen sah. Bald war wieder die schönste Hetzjagd im Gange. Dreimal trieben sie ihn unter dem Jubel der Menge auf die Bretter zu, doch der Köter schoß jedesmal daran vorüber. Völlig erschöpft gaben die vier endlich die Jagd auf und stiegen wieder ans Ufer, um sich zu verschnaufen.
»So ein dummes Luder!« knurrte Flaherty und warf dem Köter einen giftigen Blick zu. Der saß mitten auf dem Eise, ganz außer Atem, aber stolz wie ein siegreicher Toreador in der Arena. Es sah zu lächerlich aus. Das Publikum wollte sich schief lachen. Teufel – das war wirklich ein herrlicher Ulk! Und er kostete keinen Cent. Plötzlich erschienen drei Studenten auf dem Eise. Sie hatten Schlittschuhe an. Offenbar glaubten sie, daß die Schlittschuhe ihnen den Erfolg sichern müßten. Pfeilschnell sausten sie auf den Köter zu. Aber der war noch schneller. Einmal hatten sie ihn fast. Doch zwei von den Studenten liefen so heftig aufeinander, daß es knallte und sie wie der Blitz auf das Eis flogen. Unter dem wiehernden Gelächter der Zuschauer verschwanden sie. Eine Weile konnte sich der Köter verpusten. Und immer noch schwoll die Menschenmenge. Kleine Jungens begannen schon mit leeren Seifenkisten zu handeln, auf denen man warm und trocken stehen und über die Menge hinwegsehen konnte. Verkäufer von Bonbons und gerösteten Kastanien machten gute Geschäfte. Bubbles, der Berichterstatter, photographierte, daß der Gummisack am Apparat dampfte. Wer würde der nächste sein, der den Kampf mit dem wundervollen Eishund wagte?
Das war Kakadu-Bill, der ehemalige Kuhjunge aus dem Westen, der jetzt in New York Kellner war. Er behauptete, der Meisterlassowerfer von Amerika zu sein und Roosevelt in dieser schönen Kunst unterrichtet zu haben, als er noch als unbekannter Rauhreiter die Prärie durchstreifte. Kakadu-Bill habe er als Kuhjunge geheißen, weil er der einzige Kuhjunge in Arizona war, der einen Kakadu hatte. Kakadu-Bill hatte sich einen langen Strick verschafft und versprach, den Köter innerhalb fünf Minuten zu fassen. Eine Kleinigkeit sei's. Als er auf dem Eise erschien, brachten ihm die entzückten Zuschauer eine Ovation.
»Der wird's fertig bringen!« sagten sie.
Kakadu-Bill ging vollkommen kunstgerecht zu Werke. Er trabte, immer den Lasso schwingend, im Kreise um den Eishund, der ruhig auf den Hinterbeinen saß und erstaunt Kakadu-Bill zusah. Er war sich offenbar nicht klar, was dessen sonderbares Benehmen bedeutete. Immer enger zog Kakadu-Bill den Kreis und plötzlich pfiff der Lasso durch die Luft und schlug klatschend auf die Stelle, wo der Eishund eben noch gesessen hatte, aber nicht mehr saß. Als Kakadu-Bill das Hohngelächter der Menge vernahm, stieß er einen gräßlichen Fluch aus, wickelte seinen Lasso wieder auf und jagte abermals hinter dem Eishund her. Aber er kam einer dünnen Stelle im Eise zu nahe und brach durch das Eis. Am Ufer herrschte gewaltige Aufregung. »Er ertrinkt!« riefen einige. Die Damen kreischten und sahen sich nach hübschen jungen Herren um, denen sie ohnmächtig in die Arme fallen könnten. Zum Glück war es da nicht tief, und Kakadu-Bill fiel nur bis über die Kniee ins Wasser. Das kühlte sein wildwestliches Jagdfieber jedoch dermaßen ab, daß er hastig aus dem Wasser herauspatschte und samt seinem Lasso so schnell wie möglich verduftete. – Nun schien keiner mehr Lust zu haben, sein Glück zu versuchen.
»Er wird wahrscheinlich von selber am Abend oder früh am nächsten Morgen über die Bretter ans Land finden!« sagten die Polizisten und ersuchten die Menge weiterzugehen.