»Wahrscheinlich ist er die steile Böschung heruntergerutscht!« meinte Kaiser. »Heraus kann er nicht wieder; es wird Zeit, daß wir ihn fangen. Sonst verhungert er oder ersäuft, denn es taut. Ich werde mal sehen, ob ich ihn fangen kann.«
»Gib acht, Fred!« warnte ihn Flaherty. »Das Eis ist schon dünn an manchen Stellen.«
Aber schon war Kaiser etwas seitwärts von dem Aussichtsturm über die Einfassung geklettert. Hier ersetzten Felsen die künstliche Böschung und erlaubten ihm einen bequemen Abstieg auf das Eis. Er prüfte erst vorsichtig das Eis und versicherte sich, daß es ihn trug, denn er wog 225 Pfund. Aber es schien ihm doch klüger, die Operationen zunächst nicht soweit vom Ufer zu beginnen. Also pfiff er dem kleinen Köter der weit drüben über das Eis trabte. Der Köter blieb stehen und wandte den Kopf nach dem Polizisten. Kaiser pfiff nur noch verlockender. Doch der Köter kam nicht. Er mißtraute den Menschen, insonderheit Polizisten. Ihre Stiefel waren schwerer und härter als andre Stiefel.
»Es nutzt nichts!« rief ihm Flaherty lachend zu. »Du mußt auf das Eis hinaus!«
Rutschend und gleitend, prüfend die Augen auf das Eis heftend, bewegte sich Kaiser über die glatte Fläche.
»Es ist fest!« rief er Flaherty zu und lief etwas zuversichtlicher. Als er dem Köter nahe war, pfiff er und lockte er von neuem – abermals umsonst. Der Köter ergriff die Flucht. Es war ein ausgesucht häßlicher Hund mit graugelben zottigen Haaren. Sein Kopf erinnerte Kaiser an das Bild eines Geigenvirtuosen, das er mal in einer Zeitung gesehen hatte. Nun lief Kaiser hinter dem Hunde her. Immer, wenn er ihm etwas näher kam, bog der Hund scharf zur Seite und Kaiser schlitterte geradeaus. Einmal verlor der dicke Polizist den Halt, setzte sich auf das Eis, daß es krachte, und rutschte noch ein Stück darüber hin. Vom Ufer her erscholl Gelächter. Dort hatten sich ein Dutzend neugierige Leute gesammelt und beobachteten die Jagd. Kaiser raffte sich auf, holte seinen Helm, klopfte sich die Kleidung rein und marschierte über das Eis zurück. Auf halbem Wege kam ihm Flaherty entgegen.
»Fred«, sagte Flaherty, »einer schafft's nicht. Wir wollen's zusammen versuchen. Wir jagen ihn in eine Ecke des Beckens, und dort fangen wir ihn.«
Das leuchtete Fred ein. Von rechts und links näherten sie sich langsam dem Köter und scheuchten ihn nach der einen Ecke des Beckens. Sie glaubten schon, sie hätten ihn. Doch er sauste plötzlich in weitem Bogen um Flaherty herum und entwischte. Noch einmal versuchten die beiden ihr Glück, doch ohne Erfolg. Keuchend und pustend begaben sie sich ans Ufer. Dort hatten sich immer mehr Menschen angesammelt, um die fröhliche Hatz zu beobachten. Man bestürmte die beiden Polizisten mit Fragen, was es mit dem Hund auf sich habe, wie er auf das Eis gekommen sei. Flaherty und Kaiser meinten, sie wüßten es selber nicht. Der Köter sei zweifellos ein Vagabund. Die Damen bedauerten sein trauriges Los und fragten, ob es denn kein Mittel gäbe, das arme Tier aus seiner schrecklichen Lage zu befreien. Der eine schlug dies vor, der andere das. Inzwischen war auch Bubbles, der unvermeidliche Berichterstatter, zufällig des Weges gekommen. Er erkannte, daß die Geschichte ein gefundenes Fressen für ihn sei, und beschloß, das weitere abzuwarten.
Ein Parkfeger hatte einen glänzenden Einfall. Man müßte einige lange Bretter holen, meinte er, und sie vom Eis auf die Felsen neben dem Aussichtsturm legen. Dann müßten ihrer mehrere den Hund auf die Bretter zutreiben. Sobald er diese erblickte, würde er zweifellos merken, daß hier ein Ausweg für ihn sei, und über die Bretter ans Ufer laufen, wo er mit Leichtigkeit gefangen werden könnte. Den beiden Polizisten schien der Vorschlag nicht übel, und sie versprachen, das Nötige für den Nachmittag zu veranlassen. Damit entfernten sie sich, und da sonst niemand etwas unternahm, zerstreute sich die Menge.