Werdet Ihr schweigen?
Zur Zeit — ja!
Severino! — alle Teufel sind mir auf den Hals gehetzt! Was nennt Ihr zur Zeit?
Solange Ihr artig seid und den Kreisler in Ruhe laßt und auch jene da!
— Nun ließ der Prinz den Meister los und trat an ein Fenster. — Julia hatte sich indessen erholt. Mit dem unbeschreiblichen Ausdruck herzzerreißender Wehmut den Meister Abraham anschauend, lispelte sie mehr als daß sie sprach: O mein guter, lieber Meister, Ihr könnt mich wohl retten! — Nicht wahr, Ihr gebietet über so manches? — Eure Wissenschaft kann noch alles zum Guten lenken! — Der Meister gewahrte in Julia's Worten den wunderbarsten Zusammenhang mit jenem Gespräch, als habe sie in der höhern Erkenntnis des Traums alles verstanden und wisse um das ganze Geheimnis!
Du bist ein frommer Engel, sprach der Meister Julien leise ins Ohr, und darum hat der finstre Höllengeist der Sünde keine Macht über Dich. Vertraue Dich mir ganz; fürchte nichts und fasse Dich mit aller Kraft des Geistes. — Denke auch an unsern Johannes.
Ach, rief Julia schmerzlich, ach Johannes! — er kehrt zurück, nicht wahr, Meister? ich werde ihn wiedersehen!
Gewiß, erwiderte der Meister und legte den Finger auf den Mund; Julia verstand ihn. —
Der Prinz mühte sich, unbefangen zu scheinen; er erzählte, daß der Mann, den man hier, wie er vernehme, Meister Abraham nenne, vor mehreren Jahren in Neapel Zeuge einer sehr tragischen Begebenheit gewesen sei, in die er, der Prinz, selbst verflochten, wie er gestehen müsse. — Diese Begebenheit zu erzählen sei jetzt nicht an der Zeit, doch wolle er künftig nicht damit zurückhalten. —
Der Sturm im Innern war zu heftig, als daß sein Tosen nicht auf der Oberfläche hätte sichtbar sein sollen, und so stimmte des Prinzen verstörtes Antlitz, dem jeder Blutstropfen entschwunden schien, sehr schlecht überein mit dem gleichgültigen Gespräch, zu dem er sich nun zwang, um nur über den kritischen Moment hinwegzukommen. Besser als dem Prinzen gelang es der Prinzessin, die Spannung des Augenblicks zu besiegen. Mit der Ironie, die selbst den Argwohn, die Verbittrung verflüchtigt zum feinsten Hohn, neckte Hedwiga den Prinzen umher in dem Labyrinth seiner eignen Gedanken. Er, der gewandteste Weltmann, noch mehr, ausgerüstet mit allen Waffen einer Ruchlosigkeit, die alles Wahrhafte, jede Gestaltung des Lebens vernichtet, vermochte nicht diesem seltsamen Wesen zu widerstehen. Je lebhafter Hedwiga sprach, je feuriger und zündender die Blitze des geistreichen Spottes einschlugen, desto verwirrter, beängstigter schien sich der Prinz zu fühlen, bis dies Gefühl zum Unerträglichen stieg und er sich schnell entfernte.