Abb. 99. Rollen zur Bewegung des Papierstreifens (Seitenansicht).

Wer etwa eine alte Wanduhr, die ihren Zweck als solche nicht mehr erfüllt, besitzt, kann diese zum maschinellen Antrieb für die Rollen k benutzen. Alles für diesen Zweck Unnötige wird von der Uhr entfernt; also Zifferblatt, Zeiger, auch die Zahnradübersetzung 1 : 12 für den Stundenzeiger; ferner wird Pendel, Anker und Ankerrädchen herausgenommen. Das Rädchen, das zum Antrieb für das Ankerrädchen gedient hat, wird durch Anlöten zweier Blechplättchen mit Windflügeln versehen. Die Hauptachse, auf der der Minutenzeiger saß, wird mit der Rolle k verbunden. Die Uhr selbst wird auch auf dem Grundbrette befestigt. In dem Werke bringen wir einen Hebel so verstellbar an, daß er das Flügelrädchen entweder freigibt oder festhält. Sollte nun die Geschwindigkeit, die die Uhr den Rollen erteilt, zu groß sein, so können wir, falls der Antrieb mit einem Gewicht erfolgt, dieses verkleinern. Bei Federantrieb geht das nicht; wir müssen deshalb das Ankerrädchen wieder einsetzen und an dieses die Flügel anlöten; durch Verbiegen der letzteren können wir die Geschwindigkeit noch weiter regeln. War die Geschwindigkeit zu gering, so müssen wir eben noch ein weiteres Übersetzungsrädchen herausnehmen.

Abb. 100. Morsetaster.

Wir brauchen nun noch den Taster, der in [Abb. 100] dargestellt ist. Er besteht aus einem Grundbrett und einem 1 cm breiten und etwa 7 cm langen Streifen aus federndem Messingblech, ist an einem Ende auf dem Grundbrett aufgeschraubt und am anderen, wie die Abbildung zeigt, umgebogen. Unter dem umgebogenen Ende ist ein Nagel mit einem Messingkopf angebracht. Dieser ist mit der einen, die Feder mit der zweiten Klemme in leitender Verbindung; mit der dritten Klemme ist ein Blechstreifen leitend verbunden, der über die Feder reicht und diese, wenn sie nicht niedergedrückt wird, berührt. Es ist gut, wenn die Verbindungsdrähte nicht nur eingeklemmt, sondern festgelötet werden.

Um den telegraphischen Verkehr zwischen zwei Stationen zu erläutern, hatte Rudi sich zwei Apparate gemacht, die er an den beiden Tischenden aufstellte und mit Batterie und Klingel so schaltete, wie die [Abb. 101] zeigt. Hier sind die Apparate der beiden Stationen (I und II) folgendermaßen bezeichnet: M = Morseapparat, T = Taster, B = Batterie (3 bis 4 Leclanché-Elemente), g = Glocke und U = Umschalter. Letzterer ist ähnlich konstruiert wie der Kommutator (siehe [Seite 101]); er erlaubt mit einem Handgriff entweder die Glocke, oder den Morseapparat einzuschalten.

Abb. 101. Schaltungsschema der Morseapparate.

Angenommen, man will von Station I nach Station II telegraphieren, so hat man folgendes zu tun: Der Umschalter ist so zu stellen, daß der Morseapparat statt der Glocke eingeschaltet ist; dann wird der Taster niedergedrückt, wodurch die Glocke bei II ertönt. Dabei macht der Strom folgenden Weg: in T wird der Kontakt a geschlossen; von da geht der Strom nach B, b, c, d, M, e, k, l, f, l, und da hier U noch auf die Glocke geschaltet ist, nach o, durch g hindurch nach p, n, i, n, m, g und a. Durch das Glockenzeichen aufmerksam gemacht, wird nun auf II der Umschalter von g auf den Morseapparat umgeschaltet und zum Zeichen, daß dies geschehen, der Taster ein paarmal niedergedrückt; dies bemerkt man in I an dem Aufschlagen des Ankers auf den Elektromagneten. In II wird nun der Papierstreifen in Bewegung gesetzt und in I der Taster. Drücken wir diesen längere Zeit nieder, etwa 1 Sekunde, so wird in II ebensolang der Anker angezogen und dadurch der Bleistift auf das über die Rollen gleitende Papier gedrückt, wodurch ein Strich aufgezeichnet wird. Drückt man dagegen den Taster nur ganz kurz nieder, so wird dadurch nur ein Punkt entstehen. Aus verschiedenen Zusammenstellungen von Punkten und Strichen hat man ein Alphabet festgesetzt, das hier wiedergegeben werden soll.