»Tod, zögere noch! Laß mir die Hoffnung, laß mir das Leben! Tod, warum kommst Du!« –
»Stirb doch! Dann bist Du frei!« antwortet ihm eine rauhe Stimme, und es rasselt wie von Ketten, dumpfes Stöhnen entringt sich der Brust seines gefesselten Kameraden neben ihm. –
»Freiheit, Freiheit! Gib mir Freiheit! Sie haben mich an diesen Felsen geschmiedet, meine Hände, meine Füße, meinen Leib – und ohnmächtig schüttle ich meine Ketten. Und weißt Du, warum sie mich fesselten? Warum sie mich des höchsten Gutes, der Freiheit, beraubten? Weil sie mich fürchteten, weil die Angst, die wahnwitzige Todesangst sie dazu trieb. Weil sie wußten, ich würde den Brand des Aufruhrs in die Welt hinaus schleudern, würde nicht eher rasten und ruhen, bis ich die alte Erde vernichtet, zertrümmert, daß eine neue aus ihr entsteht – gut, rein, stolz, wie sie sie nicht schaffen können. –
»Und darum nehmen sie mir meine Freiheit und werfen mich in Ketten, schmieden mich an und hohnlachen in mein Gesicht. –
»Du allmächtiges Wesen, das Du da oben über den Wolken thronen sollst, wenn Du mich verstehen kannst, so höre meinen Ruf:
»Gib mir Freiheit – oder laß mich sterben! – – Keine Antwort – ohnmächtig oder grausam bist Du – denn sieh', stark bin ich noch, und mein Herz schlägt, mein Kopf denkt noch, rastlos, unermüdlich, und – hörst Du's? – meine Ketten klirren höhnisch, immer weiter, immerzu! – O Tod, warum kommst Du nicht!«
– – – – Lustig Rufen übertönt seine grollende Stimme, Beifallklatschen, Jauchzen, und dazwischen der Ruf: »Bacchos, Bacchos!« Und hierher wälzt sich der fröhliche Strom jubelnder Götter und Menschen und »Dich wollen wir, Bacchos, Gott der Freude, wo weilst Du so lange!« Sie knieen vor der schönen Jünglingsgestalt mit der berauschend lieblichen Traube neben ihm, und sie nehmen ihn in ihre starken Arme, und Nymphen und Göttinnen umschmeicheln, umkosen ihn. Da lassen sie ihn nieder, auf die Kniee des egyptischen Götzenbildes – denn das ist leblos und von Stein geblieben – und neigen sich huldigend vor ihm. Doch er erhebt den Arm und deutet mit der Götterhand auf die Marmorgebilde neuester Zeit, in der Mitte des Saales:
»Was wollen die unter uns?« fragte er mit zorniger Stimme, »schafft sie fort – sie stören mich!« Athene steht neben ihm, die blauäugige, siegende Göttin; sie hört ihn, sie winkt ihrem Liebling, dem starken, schnellfüßigen Achill, und der –
»Naus da, 'naus da aus dem Haus da! Fort mit dir, Gesindel!«
Und jubelnd sehen alle, wie Zenobia in voller Kleiderpracht, eine falsche Oenone, ein paar weichliche Marmorkinder, eine vollbusige, schamlose Schönheit, zertrümmert die Steintreppe hinunterfliegen. – Dann aber neigt sich Achilles voll Anstand vor der Statue des Lincoln mit dem Sklaven und spricht mit Höflichkeit: