»Mein Herr, gern mögen Sie unter Heroen weilen, aber Sie werden begreifen, daß Sie dann auch in voller Heroen-Uniform zu erscheinen haben, und die möchte Ihnen vielleicht nicht gut stehen. Entschieden aber können wir in unserm Reich der Schönheit das Untier von Häßlichkeit da zu ihren Füßen unmöglich dulden.« Und Lincoln verbeugt sich verständnisvoll und verläßt den Saal.
Da wankt eine müde Gestalt die Treppe herauf – einst der Stolz der Götter, immer die Freude der Menschen – und läßt sich schwer auf die Stufen nieder; die starken Schultern beugen sich, der Leib zieht sich schmerzlich zusammen, ein mächtiges Haupt sitzt plötzlich auf dem starren Nacken des Herkules-Torso und senkt sich matt, todesmatt; und klagend, grollend erfüllt eine Stimme den Saal: »Müde bin ich – endlich! Müde, der Welt zu dienen, müde, Undank zu ernten, müde, zu lieben, müde, zu leben – –
Einst lag die Welt schön und gut vor mir, einst hatte ich Lebensmut, Lebenslust, einst habe ich gekämpft, gestritten, gerungen – und nun? Nun bin ich müde und möchte schlafen!« – –
Die starken, trotzigen Glieder sinken zusammen, und das starke Haupt stützt sich schwer auf den kraftvollen Arm.
Es nahen sich zwei schlanke, schöne Jünglingsgestalten, eng aneinander geschmiegt, die Arme verschlungen, und ein mildes Licht strahlt von ihnen aus. Da legt der eine ernst und leise die Hand auf die müde Stirn des Herkules –
»Schlaf',« sagte er sanft.
Da senkt der andere still die brennende Fackel zur Erde, daß sie erlischt –
»Ewig,« lächelt er.
Und voller Ehrfurcht beugt das lustige Göttervolk das Knie und huldigt dem Toten. –
Liebliches Klingen, Singen, Getöne – ein wunderbar Leuchten, hell, sanft und mild –