Aber im Teich erhob sich plötzlich ein lautes Gequake und Gejohle. Das waren die Frösche, die hielten einen Froschvolks-Thing ab und wollten sich eine neue Verfassung gründen; sie sprachen sehr ernsthaft über Kaulquappenerziehung, Schulvorlagen und Militärbudgets, und daß der Storch und der Reiher von jetzt an unter froschlicher Oberhoheit stehen sollten; und ein noch ganz grünes Fröschlein aus dem vornehmen Geschlecht derer von Ochsenfrosch wollte immer alles besser wissen und durchaus einen ganz uralten Kurs als das Neueste einführen im Froschteich.

Es war wirklich sehr interessant, und es war gar nicht recht, daß der Weidenbaum am Ufer plötzlich anfing zu jauchzen und zu lachen und zu spotten, und sich geberdete, als hätte er zu viel Blütenwein getrunken. Die gebildeten Frösche kamen ganz ärgerlich ans Ufer und glotzten ihn an, und der tolle Geselle, dem die buschigen, hellgrünen Weidenkätzchen von seiner Narrenkappe herunterbaumelten, schnitt höhnisch eine Fratze und spreizte seine vielen grauen Finger von sich und hielt eine lange Rede, von der die Frösche kein Wort verstanden; denn er sprach von Blütenwein und Trunkenheit und Auferstehung und Frühlingsduft und Märchenaugen – und schloß mit:

»Kinder und Narren sprechen die Wahrheit, und wahrlich, ich sage Euch, so Ihr nicht werdet wie sie, so könnet Ihr nimmer in den Frühling eingehen!«

Hei! Da begann ein Geschelte und Gequake, ein Koaxkoax und Brekekekex, daß die Vöglein in der Luft im Fliegen innehielten und verwundert zum Waldteich herniederschauten. Und der Weidenbusch verbeugte sich lächelnd nach allen Seiten und schüttelte seine Kätzchen lustig durcheinander und sagte:

»Verehrte Anwesende, ich glaube verstanden zu haben, daß Sie mir vollständig beistimmen; und da oben kommt Se. Excellenz, der Generalfeldmarschall Graf Storch, angeflogen, der wird Ihnen –«

Quack! sagten die Frösche und tauchten unter, und lange herrschte Totenstille im Teich, bis sie merkten, daß der tolle Weidenbusch sie genasführt hatte; dann begann zögernd erst die eine Stimme und dann eine zweite, und der grasgrüne Froschjüngling sagte: Kroax! und seine Base, die gelehrte und tiefsinnige Schriftstellerin von Unke, antwortete: P–unkt–um! – und bald war der hochweise Disput mit These und Antithese wieder im schönsten Gange.

Das Märchen aber nickte lächelnd zum Weidenbusch hinüber und warf Kußhändchen nach allen Seiten, dann flog es schnurstracks durch den grünenden, blühenden, duftenden Wald, über Felder und Gärten, in die Stadt, in das Haus, in die Stube hinein, wo der kleine Junge und das kleine Mädchen auf dem Fußschemel saßen und aufmerksam zuhörten, wie die Märchenmuhme ihnen die Geschichte von den Löwen- und den Bärenkindern erzählte, und als sie gerade sagte: »Die Bärenkinder aber waren so schrecklich unartig« – da rief der kleine Junge:

»Sieh', – sieh' doch, da ist das Märchen!«

Und das kleine Mädchen klatschte in die Hände und jubelte: »Das Märchen! das Märchen!«

Und wirklich, da stand das Märchen auf der Thürschwelle, seine Augen leuchteten, seine Haare glänzten wie die Sonne, und dann nickte und winkte es ihnen; die Kinder faßten sich bei den Händen, sprangen zur Thür hinaus, hinter ihm her und riefen und sangen immerfort: